Die Insel

 

Im Jahre 1993 hatte ich eine Vision, in der ich die Gemeinde Jesu wie eine Insel sah, die mitten in einem großen Ozean lag. Die ganze Insel war übersät mit verschiedenen Gebäuden, und ich begriff, dass jedes Gebäude für eine Glaubensrichtung oder Bewegung stand. Die Baustile passten überhaupt nicht zusammen. Die Bandbreite reichte von sehr alten bis zu ganz modernen Architekturstilen. Viele Gebäude befanden sich in einem gegenseitigen Kriegszustand und glichen ausgebombten Ruinen. In den Häusern lebten immer noch Menschen, doch die meisten waren schon halb verhungert und verletzt.

 

Dieser Krieg wurde angeführt von zwei bösen Geistern, die über der Insel brüteten. Der eine hieß Eifersucht, der andere Angst. Jedesmal, wenn ein Gebäude beschädigt wurde oder Menschen verletzt wurden, gratulierten sie sich. Dann sah ich, wie sich über dem Meer zwei mächtige, Angst einflößende Geister erhoben. Sie wurden zu Stürmen. Der eine hieß Wut, der andere Gesetzlosigkeit. Sie wühlten das Meer auf, und gewaltige Wellen brachen sich an der Insel. In kurzer Zeit wurden die Stürme so stark, dass sie den Fortbestand der Insel noch mehr gefährdeten als der Krieg.

 

Mich machte der Gedanke ganz unruhig: Die Menschen auf der Insel müssten doch vor diesen Stürmen gewarnt werden. Es gab auch wirklich einige Wächter, die das versuchten. Aber niemand hörte auf sie. Statt dessen stritten die Menschen nur darüber, ob man den Wächtern vertrauen könne oder nicht. Das war mir unverständlich. Denn jeder, der nur seinen Blick nach oben gerichtet hätte, wäre selber in der Lage gewesen, auf die Stürme aufmerksam zu werden, aber keiner wollte aufschauen.

 

Die Kämpfe verursachten so viele Verwundete, dass sich die Hospitäler zu den größten Gebäudekomplexen der ganzen Insel ausdehnten. Sie standen für Bewegungen oder Glaubensrichtungen, die ihre Aufgabe darin sahen, verletzte Menschen zu heilen. Obwohl auch ihre eigenen Verwundeten dort versorgt wurden, störten sich die Krieg führenden Parteien eher daran, dass diese Gebäudekomplexe immer mehr an Umfang zunahmen. Darum waren sie entschlossen,  die Lazarette ebenso zu zerstören wie alle anderen Häuser auch. Während die Kämpfe andauerten, sahen selbst die Menschen, die nicht schwer verwundet waren, wie von Hunger und Krankheit ausgemergelte Schreckgespenster aus. Ständig waren sie auf der Suche nach etwas Essbarem. Daraufhin wurden sofort die Verpflegungsstellen unter Beschuss genommen. Ich konnte kaum fassen, wie ein Krieg nur so grausam sein konnte – und dabei war das hier die Kirche!

 

Mitten im Krieg versuchten manche Leute immer noch, ihre Gebäude zu vergrößern oder neue hinzuzufügen, doch das war sinnlos. Sobald ein Haus auch nur ein bisschen höher geriet als die anderen, oder wo immer mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen wurde – prompt nahmen es alle anderen Gebäude ins Visier und machten es dem Erdboden gleich.

 

Daraufhin wurden mir viele ihrer Macht bewusste Leiter gezeigt,

die diesen Krieg anführten.

Alle trugen das gleiche Wort auf der Stirn:

V E R R A T

 

Ich war verblüfft, dass es Leute geben sollte, die sich einem Führer anvertrauen würden, der mit einer derartigen Bezeichnung wie gebrandmarkt war – aber niemanden schien das zu stören.

 

Die Tragödie

 

Rund um die Insel waren sehr viele Boote und Schiffe vor Anker gegangen und warteten darauf, dass der Krieg aufhörte und sie an der Insel anlegen könnten. Viele Boote quollen schier von Flüchtlingen über die aus anderen Kriegsgebieten hierher gelangt waren, und viele von ihnen waren verwundet. Es gab auch Schiffe, auf denen sich Könige, Präsidenten und andere reiche und mächtige Personen befanden. Sie alle hatten Angst vor den Stürmen. Aber in die Stadt konnten sie wegen der Kampfhandlungen auch nicht hinein. Sie stöhnten und schrien so laut, dass ich mich wunderte, warum niemand in der Stadt sie hören konnte. Aber dort schien keiner von den Booten Notiz zu nehmen.

 

Dann erblickte ich Jesus, wie er dastand und das ganze verfolgte. Seine Herrlichkeit war derart überwältigend, dass ich mich fragte, warum ich ihn nicht schon früher gesehen hatte. Ich verstand auch nicht, warum nicht jeder Mensch auf der Insel innehielt und ihn anbetete. Zu meinem Erstaunen war niemand in der Lage, ihn wahrzunehmen. Ich schaute einigen Leuten in die Augen. Sie waren derart blutunterlaufen, dass es an ein Wunder grenzte, wie sie überhaupt noch etwas sehen konnten.

 

Ich wunderte mich, dass der Herr nicht einfach  dem Kampf ein Ende machte. Er schien sich damit zu begnügen, einfach zuzusehen. Als ob er meine Gedanken gelesen hätte, wandte er sich mir zu und sagte:

 

»Das ist meine Kirche.

 

 

Die Menschen haben versucht, diese Häuser für mich zu bauen.

Ich habe an jede einzelne Tür geklopft, doch niemand wollte mir öffnen.

Ich hätte ihnen Frieden gebracht,

denn ich kann nur in der Stadt des Friedens leben.«

 

Dann drehte sich Jesus um und wies auf die Menschen in den Schiffen hin: »Wenn ich zulassen würde, dass all diese Menschen jetzt in die Stadt kommen dürften, würden sie nur für Kriegszwecke missbraucht werden. Aber sobald ihr Schreien lauter wird als der Kriegslärm, werde ich ihnen eine Wohnstätte bereiten.«

 

Darauf sah mich Jesus sehr ernst an und sagte: »Ich habe das zugelassen, damit es nie wieder geschieht!« Diese Aussage war so voller Kraft, dass ich es nicht beschreiben kann. Aber mit diesem Satz weckte Jesus in mir ein tiefes Verständnis dafür, dass es ein Gebot der Weisheit war, die Fortdauer dieses Konfliktes zuzulassen. Dann fuhr Jesus fort: »Bevor du das nicht begreifst, kannst du nicht verstehen, was ich als Nächstes tun werde.«

 

Als das Schreien der Menschen auf den Schiffen lauter wurde als der Kriegslärm in der Stadt, gab der Herr einen Befehl, und das Meer wurde losgelassen. Gewaltige Flutwellen türmten sich auf und fingen an, die Insel zu überfluten, bis sie die Gebäude bedeckt hatten. Bald war die ganze Insel in der tobenden See untergegangen. Während all das geschah, schaute Jesus regungslos zu. Meine einzige Sicherheit lag darin, mich so nahe wie nur möglich an Jesus zu halten. Während der Orkan wütete, sah ich nichts als Jesus allein, und in seinem Gesicht sah ich Schmerz und Entschlossenheit. Allmählich ließ der Orkan nach, und die Sturmflut ebbte ab. Jesus, der sich  bis dahin am Rande der Insel aufgehalten hatte, ging nun in das Zentrum und sprach: »Jetzt will ich mein Haus bauen.«

 

Inzwischen hatten die Boote und Schiffe an der Insel angelegt. Ich fing schon an, mir Sorgen zu machen, ob denn in dem – wenn auch riesigen – Haus des Herrn Platz für alle wäre. Der Herr sah mich an und sagte sehr bestimmt: »Wir werden so viele Zimmer bauen, wie wir brauchen – und niemand darf abgewiesen werden.« Das sagte Jesus mit solchem Nachdruck, dass ich mir vornahm, nie wieder auf die Idee zu kommen, Menschen abzuweisen. Früher war es ja das größte Problem gewesen, Menschen überhaupt dazu zu bringen, in eines der vorhandenen Gebäude hinein zu kommen. Nun war es plötzlich ein Problem, was man mit all den Menschen anfangen sollte, die kamen. Alle Menschen, die von jedem Schiff an Land gingen, wurden direkt zum Herrn Jesus geführt.

 

 


Quelle: Eine prophetische Vision für das 21. Jahrhundert von Rick JoynerFoto: Ground Zero nach 9/11


 


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