Inspiration statt Strom

 

Stellen Sie sich vor, am kommenden Montag fällt der Gebetsabend aus. Am Diens-tag findet kein Hauskreis statt, und am Mittwoch wird keine Besprechung für den allsonntäglichen Kindergottesdienst sein. Die für Donnerstag geplante Sitzung des Vorbereitungsausschusses für den Gottesdienst »Mal anders« ist abgesagt worden, und am Freitag fällt der Kirchenvorstand aus. Der Referent des Mitarbeiter-seminars für Samstag ist krank geworden, und Sie können doch den geplanten Familienausflug machen. Kann es sein, dass in dieser Woche Ihre Beziehung zu Gott nicht schlechter geworden oder vielleicht sogar gewachsen ist? Wenn Sie diese Frage mit »Nein« beantworten, dann lesen Sie bitte nicht weiter! Sie brauchen das Gemeindeprogramm wie andere ihren Verein. Sollten sich jedoch irgendwann die Anzeichen für einen Burnout bei Ihnen oder anderen Gemeindemitarbeitern meh-ren, ist vielleicht die Zeit gekommen, sich einmal mit diesen Fragen zu beschäf-tigen.

 

Wenn Sie aber spüren, dass das gemeindliche Programm Sie eher von Ihrer Beziehung zu Gott, von Beziehungen in Ihrer Familie, zu Ihren Nachbarn oder auch zu Freunden aus der Gemeinde abhält, dann stellen Sie das Programm doch einmal in Frage, selbst wenn es Sie nicht an jedem Wochentag fordert!

 

Regelmäßig werde ich bei Seminaren in Gemeinden gefragt, an welcher Stelle in der Bibel von Gemeindeberatung, Gemeindeanalysen, Gabenseminaren u. Ä. die Rede ist. Dass sie darüber nichts im Buch der Bücher finden, erschwert einigen »bibeltreuen« Christen, den Nutzen solcher Dinge für ihre Gemeinde nachzuvoll-ziehen. Erschreckenderweise gibt es aber auch keine Bibelstelle, die uns zum Frauenkreis, zur Bibelstunde, zur Jugendgruppe, zum Kirchenchor (inklusive Lob-preisband) und den vielen anderen Kreisen (sich im Kreis drehenden Kleingruppen) auffordert. Und je mehr ich meine Bibel lese, umso unsicherer werde ich, ob die Form, wie wir Gottesdienst feiern, wirklich eine ist, die Gott segnet (alle moderni-sierten Formen, die sich momentan in unserem Land entwickeln, eingeschlossen). Zu oft erlebe ich Pfarrer, Prediger, Lobpreisleiter und andere Gottesdienstgestalter, denen die Kraft ausgeht. Kann ein solcher Burnout (Ausbrennen) nicht im Zusam-menhang damit stehen, dass »die Reben nicht am Weinstock sind«  die verdorrten Triebe gesammelt, ins Feuer geworfen und verbrannt werden?

 

Gemeinde bedeutet Leib Jesu in unserer Straße, Stadt, Dorf zu sein. Gemeinde ist ein Ereignis, das sich aus der Hingabe an Gott, der authentischen Gemeinschaft der Christen und dem geführten Engagement in ihrem unmittelbaren Umfeld ergibt. Wenn die Art, wie wir meinen, Gemeindeleben gestalten zu müssen, uns eher vom Eigentlichen abhält, dann könnte das möglicherweise bedeuten, dass wir auf dem »Holzweg« sind. Wir arbeiten in dem stillen Vertrauen darauf weiter, dass Gott immer mit uns ist und feiern spärlich erlebten Segen als große Erfolge.

 

Mindestens 95 % aller Deutschen verstehen Kirche allenfalls noch als Dienstleister für spezielle Anlässe, nicht jedoch als Gemeinschaft von Menschen mit einer lebendigen Beziehung zum VATER und untereinander. Gibt uns das nicht zu denken? Das Modell, nach dem seit Jahrhunderten Gemeinde gelebt wird, ist kein Wachstumsmodell. In Zeiten, in denen man Christentum »von oben« verordnen konnte, wurden christliche Werte in der Gesellschaft gelebt. Kirche gehörte zur Kultur! Und heute stehen viele Gemeinden in der Gefahr, unheimlich viel Kraft und Geld in das Erhalten dieser Kultur zu investieren (vielleicht auch in Maß-nahmen, um die religiöse Kultur an das veränderte Umfeld anzupassen).

 

In all dem geht Gemeinden (bzw. ihren Mitarbeitern) immer mehr die Kraft aus. An dem Ort der Hoffnung, zu dem Gott Gemeinde bestimmt hat, machen sich Depressionen breit. Selbst Mitarbeiter von Gemeinden, in denen alles bestens zu laufen scheint, müssen ab und zu mal raus und erholen sich dann einige Monate weit weg von ihrer Gemeinde (Indien und USA werden hier besonders empfohlen).

 

Schließen Sie doch einmal für einen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, Ihre Gemeinde stellt ihr Programm ganz ein! Was bliebe von ihr übrig, wenn sie über kein Haus mehr verfügt, ohne Strom auskommen müsste und ohne Treibstoff fürs Auto (siehe Neues Testament)? Für die Mekane-Yesu-Kirche in Äthiopien war z. B. die Zeit nach der Konfiszierung ihrer Gebäude und Inhaftierung ihrer Geist-lichen eine des schnellsten Wachstums. Doch Vorsicht! Dies ist kein Aufruf, es einfach den neutestamentlichen Gemeinden oder anderen erfolgreichen Gemeinde-formen nachzutun. Betreiben Sie stattdessen Ursachenforschung, und fragen Sie mit aller Offenheit und Bereitschaft nach Gottes Willen.

 

Ein erster Schritt auf diesem Wege könnte das Fasten als Gemeinde sein. Mit Fasten meine ich das Lassen einer Tätigkeit, die man als normalerweise notwendig erachtet und gewohnheitsmäßig tut, um sich bewusst für Gott zu öffnen. Nachdem in den vergangenen Jahren viele einzelne Personen für Erweckung weit mehr als nur eine Woche gefastet haben (nicht an Schokolade, Fernsehen oder anderen überflüssigen Dingen!), scheint mir jetzt das Fasten als Gemeinde ein wichtiger Schritt zu sein. Gott will uns wegbringen von unseren guten und oft professio-nellen Programmen! Er will uns befreien von Gemeinde, damit wir frei werden zu lebendigen Beziehungen mit ihm, untereinander und zu unseren Nachbarn, Mit-schülern, Arbeitskollegen, Verwandten, d. h. frei werden, um als Gemeinde zu le-ben. Ich bin überzeugt, dass eine solche Gemeinschaft  Kraft hat, dass von dieser Gemeinde Hoffnung ausgeht und sie Zeichen setzt in einer Welt, die vielen Zusam-menbrüchen  persönlichen wie globalen – entgegengeht.

 

Und der zweite Schritt? Es gibt auf diesem Weg kein erstens, zweitens, drittens. Werden Sie still vor Gott, suchen Sie sein Angesicht, und betrügen Sie sich nicht dadurch, dass Sie bestimmte Wege und Möglichkeiten, weil ungewohnt und unvor-stellbar, von vornherein ausschließen!

 

Ich weiß nicht, was Gott genau zu Ihnen sprechen wird, aber ich erwarte, dass es aufregend, liebevoll und anders ist, als Sie erwarten. In vielen Fällen wird es Veränderungen bedeuten, die nicht leichtfallen, aber das weiß auch unser Vater im Himmel. Vertrauen wir ihm, dass er wenigstens genau so liebevoll mit uns umgeht, wie sein Sohn mit den Pharisäern – und sich ihren Fragen selbst nachts stellt (Johannes 3). Konzepte, Hilfen, Checklisten, Programme und 7, 10 oder 12 Schrit-te gibt es zur Genüge. Sie alle können unterstützen, aber nicht ersetzten, was der Geist Ihrer Gemeinde sagt.

 

Wenn man mit dem Auto eine lange Strecke geradeaus gefahren ist und plötzlich kommt eine Kurve, dann ist das, was man bisher getan hat, plötzlich nicht mehr richtig. Wir sind sehr lange geradeaus gefahren. 

 


Quelle: Oliver Schippers | DADW


 


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