Schon seit Monaten spürte ich einen tiefen Schmerz in meinem Geist. Ich spürte, dass der Schmerz eigentlich der Schmerz von Jesus war, der in seinem Herzen war. Sobald ich das erkannte, bekam ich eine Vision, in der Heilige, die in einem Gottesdienst saßen, sich in Schafe verwandelten. Diese Schafe sahen auf den ersten Blick in Ordnung aus. Dann war es, als ob ich durch sie hindurch gucken konnte. Zuerst prallte ich von dem zurück, was ich sah. Ich sah versteckte Wunden. Einige Wunden hatten ganze Schichten von Verbänden. Aber unter den Verbänden waren die Wunden immer noch offen und frisch. Einige Wunden waren im Prozess der Heilung, andere Wunden waren infiziert. 

 

Ich verdrängte die Vision. Ich fühlte unglaublichen Schmerz und Niedergeschlagenheit, Entmutigung und Verzweiflung in den verwundeten Herzen dieser Menschen. Der Schmerz, den ich fühlte, brach mein Herz. Eine Weile lang rannte ich vor dieser Vision weg. Ich wollte sie nicht länger erleben. Der Herr wartete, bis ich wieder zu mir kam und darüber Buße tat, dass ich mich von der Vision zurückgezogen hatte. Die Vision ging nun weiter.

 

Ich sah, dass die Menschen, die in den Gottesdiensten saßen und sich in Schafe mit verdeckten Wunden verwandelt hatten, anfingen zu schreien. Ihre Schreie gingen anderen im Gottesdienst auf die Nerven. Die Menschen, die ich als Schafe sah, frustrierten den Rest der Gemeinde. Diese verwundeten Schafe stöhnten. Manchmal schienen ihre Schreie und ihr ganzes Verhalten fast bizarr.

 

Diese verwundeten Schafe begannen, sich von den anderen zurückzuziehen oder es geschah, dass sie von den anderen in der Gemeinde sogar getrennt wurden. Wenn dies geschah, verhielten sie sich sogar noch störender und frustrierender, noch nerviger und verwirrter. Es schien nicht so, als ob die Schreie der verwundeten Schafe von vielen in der Gemeinde gehört wurden. Diejenigen in der Gemeinde, die die Schreie hörten, fühlten sich entweder unfähig, zu helfen, oder waren von den Schreien verstört oder genervt. Die verletzten Schafe begannen, sich immer mehr zurückzuziehen und fingen an, sich von der Gemeinde wegzubewegen. Ich sah zu, wie diese verwundeten Schafe die Gemeinde und das Gemeindegebäude, in dem sie sich befanden, verließen.

 

 

Ich wurde mir bewusst, dass der Herr neben mir stand. Ich sah ihn an und sah schreckliche Trauer und Traurigkeit in seinen Augen. Und ich sah Wut. »Komm mit mir, meine Tochter,« sagte der Herr zu mir. Zusammen folgten der Herr und ich den Schafen. Es schien, als ob sie sich auf einer Art harten, staubigen Straße oder Weg befanden. Sie waren immer noch am Schreien und wirkten verwirrt und verloren. Ihre Schreie nahmen an Intensität zu. Ich sah, dass sie anhielten und Gräser, die am Straßenrand wuchsen, aßen, und mir wurde bewusst, dass ihre Schreie lauter wurden, weil sie hungrig waren. Die Gräser schienen den Hunger der umherwandernden Schafe nicht zu stillen. Sie gingen weiter auf der harten Straße, während sie schrieen und alles, was am Wegesrand wuchs, essen wollten. Einige der Schafe fielen am Straßenrand um. Ihre Schreie wurden schwächer und schwächer, bis sie nur noch still am Straßenrand lagen. Ich sah, dass die Schafe von ihrem Hunger und ihrer Schwachheit vollständig überwältigt waren. Sie waren völlig leblos. 

 

»Komm mit mir, meine Tochter,« sagte der Herr wieder zu mir. Ich hatte neben den gefallenen Schafen angehalten. Leise verfolgten wir das Geschehen um die verwundeten Schafe weiter. Ich sah, wie sie schnell die Straßenseite verließen. Ich guckte, wohin sie rannten. Ich sah eine Weide. Auf den ersten Blick schien die Weide frisch und fruchtbar, doch als der Herr und ich ihr näher kamen, sah ich, dass es eine verdreckte Weide war. Das Gras war schleimig und niedergetrampelt und es stank. Trotzdem verschlangen die Schafe das Gras. Ihre Schreie hörten auf, als sie am Gras zogen und es aßen. Aber nach einiger Zeit fingen die Schafe an, aufzuschreien. Ich spürte, dass ihre Schreie Schmerzensschreie waren. Viele der Schafe brachen das vergammelte Gras, das sie gefressen hatten, wieder aus. Als sie sich übergeben hatten, brachen sie einfach auf der Wiese zusammen. Nachdem sie umgefallen waren, sah ich, dass sich Wölfe und andere Raubtiere heimlich auf die Weide schlichen. Sie kamen auf die zu Boden gefallenen, verwundeten Schafe zu und machten sich über sie her.

 

»Meine Tochter,« sagte der Herr zu mir, »hast du verstanden, was du gesehen hast?« »Ja,« antwortete ich. In meinem Herzen empfand ich Übelkeit und Verzweiflung im Hinblick auf das, was ich in der Vision gesehen hatte. 

 

»Es gibt viele meiner Kinder, die in der Gemeinde auf ihrem Platz mit versteckten Wunden sitzen,« sagte der Herr zu mir. »Sie sind nicht von ihren Wunden geheilt. Sie haben ihre Wunden versteckt. Ihre ungeheilten Wunden trennen sie von der Herde. Manchmal separieren sie sich auch selbst. Oder die verletzten Schafe werden durch die Verwirrung, Frustration und den Ärger der Herde gegenüber dem Verhalten der verwundeten Schafe von der Herde getrennt.« 

 

»Um ihren Hunger zu stillen, haben sie seltsame Worte und Lehren gegessen«, fuhr der Herr fort. »Zu Anfang stillten die Worte und Lehren den schrecklich nagenden Hunger, den diese verwundeten Schafe verspürten. Und doch waren es seltsame Lehren und Worte, die nicht von mir waren, und sie brachen diese Worte und Lehren wieder aus. Da sie von ihrem Hunger überwältigt waren, wurden sie für Raubtiere zu einer leichten Beute.«

 

»Hör mir zu, meine Tochter«, wies der Herr mich an. »Die Vision ist noch nicht zu Ende.« Dann sah ich, dass der Herr selbst sich der faulen Weide näherte und sie betrat. Er fing an, sich um jedes der gefallenen, verwundeten Schafe zu kümmern. Ich sah zu, wie er jedes Schaf sanft streichelte und leise und beruhigend mit den Schafen redete. Der Herr begann, die faule Weide zu verlassen. Er rief jedes Schaf beim Namen und forderte sie sanft auf, die Weide zu verlassen. Einige Schafe kämpften sich auf ihre Beine und fingen an, dem Herrn zu folgen. Einige blieben am Boden liegen. 

 

»Komm mit mir, meine Tochter,« sagte der Herr zu mir. Ich begann, dem Herrn zu folgen, als er die Schafe von der faulen Weide wegführte. Ich fühlte einen sanften, kühlen Wind in meinem Gesicht und roch den frischen, reinen Duft von Gras. Ich schaute in die Weite und sah eine andere Weide. Der Herr machte sich auf den Weg zu dieser neuen Weide und führte die Schafe hinauf. Ich folgte in kurzem Abstand. Ich sah, dass die Weide eine gute Weide war. Sie war sauber und reich an saftigem Gras. Ein sprudelnder Fluss floss durch die Weide. Als die Schafe diese neue Weide betraten, taten sie dies erst zögerlich. Der Herr lachte leise und forderte die Schafe sanft auf, die Weide weiter zu betreten. Ich sah wie die Schafe still anfingen, auf der saftigen Weide zu grasen oder von dem Fluss zu trinken.

 

 

»Sieh dir dies an, meine Tochter«, sagte der Herr zu mir. Ich drehte mich um und schaute auf das, worauf der Herr zeigte. Es verwirrte mich zu sehen, dass einige Schafe von dieser neuen Weide zurückschreckten und sich weigerten, sie zu betreten. Einige von ihnen kehrten zur faulen Weide zurück, andere liefen einfach weiter herum und fielen an den Straßenrand. All diejenigen, die sich weigerten, die neue Weide zu betreten, wurden schließlich von Raubtieren verschlungen. 

 

»Verstehst du alles, was du gesehen hast, meine Tochter?« fragte der Herr mich. »Nein«, war meine Antwort. Ich konnte nicht verstehen, warum sich einige Schafe weigerten, die neue Weide zu betreten.

 

»Ich bin der gute Hirte«, sagte der Herr zu mir. »Ich werde nach meinen Schafen suchen, die sich von der Herde entfernt haben. Ich werde sie heilen und auf grüne Weiden und zu frischem Wasser führen. Und dennoch gibt es Schafe, die so voller Angst sind, dass sie sich weigern werden, sich heilen zu lassen oder zu glauben, dass ich mit ihnen bin.«

 

»Warum ist das so?«, fragte ich den Herrn. »Leidenschaft«, antwortete der Herr. »Leidenschaft?« wiederholte ich. »Ich verstehe nicht, was du meinst.«

 

»Diese meine Kinder, die sich geweigert haben, geheilt zu werden und die Weide zu betreten, zu der ich sie geführt habe«, erklärte der Herr, »handeln so, weil ihre Leidenschaft erloschen ist. Sie sind von ihren Verletzungen eingenommen und überwältigt.«

 

Ich dachte eine Weile lang über die Worte des Herrn nach. »Wie kann die Leidenschaft derer, deren Leidenschaft erloschen ist, wieder erneuert werden?« 

 

»Sie müssen mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu mir umkehren«, sagte der Herr. »Sie müssen damit aufhören, auf das zu schauen, was um sie herum passiert und ihren Blick nur auf mich richten. Es wird diese Schafe einige Zeit kosten, aber mit Geduld und Barmherzigkeit können sie wiederhergestellt werden.«

 

»Ich habe eine Frage, Herr«, sagte ich. »Warum werden diese verwundeten Schafe nicht in deinem Haus geheilt?«

 

»Das hat viele Gründe«, sagte der Herr. »Einige dieser Schafe wussten nicht, wie sie geheilt werden können. Ihre Wunden waren ihr Leben und ihr Blickpunkt geworden. Andere wurden nicht geheilt, weil sie die Hilfe der Gemeinde brauchten, geheilt und wiederhergestellt zu werden. Aber zu oft hatte die Gemeinde auch keine Ahnung davon, wie sie die Verwundeten unter ihnen zur ganzen Heilung und Wiederherstellung führen konnten. Ihre eigenen Gefühle der Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit bewirkten, dass viele auf die verwundeten Schafe mit Ärger reagierten. Diese Wut verursacht bei einem Schaf, das ohnehin schon verwundet ist, neue Wunden, was weitere Separation der verwundeten Schafe bewirkt.« 

 

»Dies ist ein Tag und dies ist eine Zeit«, fuhr der Herr fort, »in der ich meine Heilung über meine Kinder ausgieße. Ein verwundetes Volk kann nicht die Ernte einbringen, die reif ist, geerntet zu werden. Ein verletztes Volk kann nicht heilen. Nur die, die geheilt worden sind oder die sich im Prozess der Heilung befinden, können andere heilen und mit meiner rettenden Gnade berühren.« 

 

»Ist diese Vision eine Zurechtweisung?« fragte ich den Herrn. 

 

»Es ist eine Warnung«, antwortete der Herr.

 

»Die Hirten sollen sich um ihre Schafe sorgen und sie kennen. Sie können das nur tun, wenn sie mit ihnen dort zusammen sind, wo sie leben. Der Feind greift die Einheit der Herde an, indem er meinem Volk Wunden zufügt und alte Verletzungen in die Erinnerung meiner Kinder zurückruft. Die Hirten müssen sich dieser Strategie des Teufels bewusst werden und mich suchen, um Anweisung und Leitung von mir zu bekommen.« 

 

Als die Vision zu Ende war, las ich Hesekiel 34. Der Herr legte auch Hesekiel 37:1-14 (im Hinblick auf die Vision der vertrockneten Totengebeine in dem Tal) und Johannes 10 (handelt von Jesus, dem guten Hirten) auf mein Herz. Ich spürte, dass Sprüche 7:23 eine Warnung an die Hirten ist: 

 

»Kümmere dich sorgfältig um das Aussehen deiner Schafe,

richte deine Aufmerksamkeit auf die Herde!«


Holly L. Moody  –  20. August 2001

 


Quelle: Holly L. Moody | Foto: © antonivano - © kefca - Fotolia.com


 


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