Der Leiter der Gemeinde

 

 

»Ich bin der Leiter meiner Gemeinde. Es braucht keine Leiter, die mich sozusagen vertreten und meine Angelegenheiten stellvertretend regeln. Das verstehen aber viele genau so und landen stracks wieder beim System des Turms der Anmaßung [Anm.: zu Babel]. Niemand braucht mich zu vertreten und meine Geschäfte für mich zu führen. Ich bin ja da. So, wie du in deinem ganzen Körper jederzeit präsent bist, weil du ja in ihm wohnst, so bin auch ich in meiner ganzen Gemeinde jederzeit präsent, weil ich in ihr wohne. Da du in dir selbst doch immer anwesend bist, braucht es niemals eine Vertretung. So braucht auch keine Gemeinde Leiter, die mich vertreten. Wenn Menschen mich fragen, werde ich ihnen antworten. Meine Gemeinde lebt in dieser Dynamik des Fragens und Hörens auf mich. Sie kann sich nie dogmatisch festlegen, weil ich sie nicht festlege, sondern führe. Ich werde die Gemeinde nie mit einer endgültigen Regel festlegen, sondern immer in Bewegung halten. Sie soll sich eng an mich halten und täglich nach mir fragen und mir auf diese Weise nachfolgen, sonst bleibt sie stehen und stirbt in Tradition und Routine. 

 

Meine Gemeinde lebt von meiner Anwesenheit, so wie dein Körper von deiner Anwesenheit lebt. Verlässt du den Körper, stirbt er. Eine Gemeinde nun, die ohne meine Anwesenheit leben kann, die lebt gar nicht, sondern stirbt. Und der Prozess des Sterbens kann sich lange hinziehen! Den eigenen Tod zu akzeptieren, braucht Demut, Demut aber ist das Ende des Turmes des Stolzes. Viele Gemeinden machen auch mit einem eklatanten Mangel an Leben einfach weiter nach Gewohnheit und Vorschrift. Sie brauchen mich nicht, um zu funktionieren. Ob ich da bin oder nicht, das merken sie gar nicht einmal. Ihre Existenz hängt nicht davon ab. Darum gehören viele Gemeinden nicht mir, sondern sich selbst. Sie werden gar nicht von mir geleitet, sondern von Menschen und Traditionen. Alles mag dabei sehr fromm und tugendhaft aussehen, aber das ist kein Beweis meiner Anwesenheit oder meines Gefallens.«

(Jesus Christus)

 

»Aber woran merke ich deine Anwesenheit und dein Gefallen?«, frage ich. Nach dem, was Jesus da an erschreckenden Dingen über die Gemeinde bzw. die Gefahr rein menschlicher Verwaltung und traditioneller Routine gesagt hat, ist dies wohl die zentrale Frage überhaupt.

(Autor)

 

»Woran merkst du denn, ob jemand lebt oder tot ist?«, fragt Jesus mit seinem strahlenden Lächeln zurück. Das ist wieder so eine typische Jesus-Gegenfrage, die es mir nicht erlaubt, das Denken einzustellen und Jesus zu überlassen. Er weiß, dass ich in der Krankenpflege arbeite und dort schon viele Menschen habe sterben sehen. Der Unterschied sollte mir also hinlänglich bekannt sein. Das Lächeln Jesu ermutigt mich, meine grauen Zellen anzustrengen und über meine Erfahrungen nachzudenken.

 

Einer der Unterschiede zwischen einem Lebenden und einem Toten ist, dass der Tote nicht reagiert. Er reagiert auf gar nichts. Man kann ihn ansprechen, ob laut oder leise, er wird keine Antwort geben. Übertragen auf eine »tote« Gemeinde würde das bedeuten, dass auch sie keine Antwort auf unsere Fragen gibt. Sie spricht einfach nicht mit uns. Sie kann uns gar nicht wahrnehmen. Andersherum würde eine lebendige Gemeinde einen ständigen Dialog mit Jesus führen und einen regen Austausch aller ihrer Glieder untereinander fördern, denn Leben ist Kommunikation. Wenn wir es noch genauer betrachten, würde eigentlich nicht sie diesen Dialog führen, sondern würde ihn Jesus durch sich führen lassen, denn er ist ja das Leben des Leibes und der Geist, der in ihr redet.

 

Ein weiteres Kennzeichen des Todes ist, dass der Körper kalt und steif wird. Und es ist eine Tatsache, dass zahllose Gemeindeglieder genau diesen Zustand in ihrer Kirche beklagen. Sowohl die menschliche Wärme als auch die lebendige Beweglichkeit fehlen. Die »veranstaltete« Nächstenliebe und frommer Aktionismus können nicht wirklich über den Tod hinwegtäuschen. Nimmt man die Veranstaltungen weg und bleibt kein lebendiges Beziehungsnetz übrig, dann war es nur eine Farce und nicht Leben durch Jesu Gegenwart. Jesu Gegenwart in seiner Gemeinde ist nicht abhängig von Veranstaltungen, so wie meine Gegenwart in meinem Körper auch nicht davon abhängig ist.

 

Abgesehen von der mangelnden Ansprechbarkeit, Kälte und Bewegungslosigkeit sieht eine Leiche allerdings zunächst einem Lebenden recht ähnlich. Zu Anfang mag man meinen, einer schlafe nur tief. Aber nach und nach wird deutlich sichtbar, dass es nicht so ist. Die Farbe verschwindet aus dem Gesicht, und das Gewebe sackt in sich zusammen. Freilich kann ein geübter Bestatter den Zustand mit künstlichen Mitteln so geschickt kaschieren, dass man meint, ein Gestorbener sehe richtig gut und geradezu wie das blühende Leben aus und werde sicher gleich aus dem Sarg steigen. Viele Kulturen haben die kunstvollsten Behandlungen und Balsame entwickelt, um einen Toten zu konservieren und seinen Verfall aufzuhalten. Manche erstaunlich erfolgreichen Methoden verblüffen noch heute die Wissenschaft und stellen sie vor Rätsel. Genauso kommt es mir mit manchen Kirchen vor. Sie sind schon sehr lange gestorben, und von Jesu Gegenwart gibt es keine Spur, aber sie haben den Toten so gut geschminkt und so prunkvoll gekleidet, dass es den Anschein hat, da sei doch noch irgendwie Leben drin.

(Autor)

 

»Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden«, wirft Jesus ein. »Er ist ausschließlich am Leben interessiert, und alles hat dem Leben zu dienen, so wie dein Körper ausschließlich deinem Leben dient. Alles, was die „wahre Gemeinde“ tut, ist Ausdruck ihres Lebens, welches ich bin. Sonst ist es nicht meine Gemeinde, sondern die Gemeinde von irgendjemand oder irgendetwas anderem – und bringt diesen Irgendjemand und dieses Irgendetwas zum Ausdruck, aber nicht mich.«

(Jesus Christus)

 


Quelle:  Die Geisterstadt  von Frank Krause | Bildnachweis: Imagens Biblicas


 


Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!