Voraussetzung für Erweckung

An die deutschen Christen

 

Es ist eine interessante Beobachtung, dass in den Erweckungsberichten aus allen Zeiten und von allen Orten das Schema von Pfingsten wieder auftaucht. Leute beginnen für sich selbst anhaltend zu beten, und dann kommen sie mit anderen Betern zusammen und so baut sich eine mächtige Welle von Gebet auf. Die Geschichten berichten davon, dass solche Beter immer mehr beteten, bis sie eigentlich gar nichts anderes mehr taten; sie beteten buchstäblich Tag und Nacht. Ein Wunder.

 

Aber nicht nur dieses Wunder geschah, sondern auch das der „Einmütigkeit“. Wir lesen von nicht endenden gemeinsamen Gebetstreffen, die nicht selten ganz spontan und vorbei an der offiziellen Kirche und ganz ohne Leiter in Häusern und Scheunen abgehalten wurden. Und dann geschah es: Der Wind kam und das Feuer fiel. Manche Erweckungsberichte bezeugen, dass dies buchstäblich so geschah. Danach wurden ganze Regionen und Städte verwandelt.

 

(Der Engel fuhr fort:)

 

»Noch müssen die Beter sich in den Kellern sammeln und selbst transformiert werden, um Zeichen und Zeugen des Kommenden zu sein. Sie reden nicht so viel über Erweckung, sie leiden die Geburt durch. Es ist sehr persönlich, verborgen und für die Menge unattraktiv (besucherunfreundlich). Wie zur Geburt Jesu in Bethlehem werden nur wenige Leute dabei sein, und einige werden ganz unpassend erscheinen wie die „Magier aus dem Osten“, aber sie haben die Strapaze einer Reise auf sich genommen – ohne Garantie, ob und wo sie ankommen und ob und wann sie zurückkehren.

 

Was nehmt ihr für die Sache auf euch?

Was seid ihr überhaupt in der Lage, auf euch zu nehmen

in dem jämmerlichen Zustand, in dem ihr seid?«

 

Erneut muss ich bei diesen scharfen Worten an einen Gebetseindruck denken, welchen mir der Herr vor Jahren für die Gemeinde gegeben hatte. Da ging es eben um die „Erweckung des Gebets“, wo alles beginnt. Wird der Kampf um die Seelen nicht im Kämmerchen gewonnen, gibt es in der Gemeinde keine Bekehrungen. Wird der Kampf um die nötigen Mittel nicht im Kämmerchen gewonnen, gibt es im Sichtbaren keinen Durchbruch zur Fülle. So ist es in allem.

 

»Ihr wollt immer wieder im Sichtbaren Ergebnisse haben, die ihr nicht zuvor im Gebet zur Geburt bringt, die ihr nicht treu austragt und in anhaltendem Gebet gebärt. So funktioniert es aber nicht.

 

Rufe mich an,

dann will ich dir antworten und will dir Großes und Unfassbares mitteilen,

das du nicht kennst.“

(Jeremia 33:3)

 

Diese Worte sprach ich zu Jeremia angesichts der hoffnungslosesten Situation Israels. Eure Situation als deutsche Christenheit ist nicht minder hoffnungslos. Und ich sprach sie zu ihm, als er im Wachhof gefangen war. Manchmal muss ich euch gefangen nehmen lassen in eine Kammer, damit ihr Zeit habt, zu beten und die Rettung zu empfangen für euer Volk, welches am Abgrund steht. Andernfalls würdet ihr so mit euch selbst und euren Angelegenheiten beschäftigt bleiben, dass ihr nie beten würdet. Werdet ihr das Gebet nicht erwählen und in die Begegnung mit mir kommen, werde ich euch holen, wie ich Jeremia geholt habe!

 

Denn wenn ihr nicht betet, werden andere verloren gehen.

Wenn ihr nicht Heilung und Wunder im Gebet empfangt,

werden andere krank bleiben, leiden und zu nichts kommen.

Und ihr werdet dafür die Verantwortung tragen ...

 

Niemals habe ich meinem Volk erlaubt, irgendetwas dem Gebet vorzuziehen oder das Gebet für irgendetwas anderes zu opfern! Hier gibt es keinen Kompromiss und keine Entschuldigung. Gebet ist keine Option, sondern mein Gebot. Es nicht zu tun, ist die Sünde, deren Sold euer und anderer Tod ist.

 

Hört!

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge.

Seid also besonnen und seid nüchtern zum Gebet.

(1. Petrus 4:7)

 

Glaubt ihr nicht, dass das Ende aller Dinge nahe gekommen ist?

Glaubt es! Es ist nahe gekommen,

und um darin zu bestehen und nicht unterzugehen,

erfordert es Besonnenheit und Nüchternheit zum Gebet.«

 

Kritiksucht

 

»Du hast das „kritische Schreiben“ von jenem Bruder über die anderen Brüder gelesen«, erinnert mich der Engel an einen sehr „heiligen“ Brief eines Bruders, in dem er kürzlich eine Menge anderer Brüder diffamierte und ihnen ausführlich ihre Verkehrtheit nachwies.

 

»Dies ist typisch für die, die sich heute für erweckt halten. Sie sind immer noch im Modus des Rechthabens gefangen, konkurrieren miteinander und streiten über Lehrmeinungen. Sie sind sehr voll von sich selbst und noch keine leeren Gefäße. Was soll Gott in sie gießen, was ihr Ego nicht missbrauchen würde? Viele Erweckungen konnten nicht ausbrechen, da die Kritiksucht und Konkurrenz der Brüder untereinander dies verhinderte.

 

Ja, es gibt sogar Brüder, die beten gegen die Erweckung ... bei den anderen. Für sie sind die Begriffe „Erweckung“ und „Erfolg“ synonym. Da sie um jeden Preis Erfolg haben wollen, gehen sie „über Leichen“, um ihn zu bekommen. Sie sind bereit, zu kritisieren, zu dominieren und zu manipulieren, um sich bzw. ihre Gemeinde ins rechte Licht zu rücken und so zu tunals ob sie erweckt sei ... mehr als die anderen jedenfalls. Im Zentrum der Erweckung sehen sie nicht Gott, sondern sich selbst und ihre Gemeinde. Sie träumen von Größe und Prestige, von Selbstlosigkeit findet sich keine Spur.«

 

Selbstaufgabe

Voraussetzung für Erweckung

 

»Wenn ich mich nun in das Feuer begeben und mich von „Erweckung“ ver-schlingen lassen würde ... was bliebe dann von mir übrig?«, frage ich den Engel.

 

»Nichts«, antwortet er.

»Wie kann ich mich denn darauf einlassen, zu nichts zu werden?!«

 

»Nun«, betont der Engel, »alle Hoffnung ist in dieser Vernichtung; sie ist die Voraussetzung für Erweckung. Wer bereit ist, nichts zu werden, geht den Weg Jesu, der sich zu nichts gemacht hat und eben darum erhoben wurde und den Namen empfing, der über jedem Namen ist (Philipper 2:5-9). Solange „Gläubige“ Erweckung gerade für das Gegenteil benutzen wollen, nämlich nicht, um sich selbst aufzugeben und zu verlieren, sondern sich selbst einen Namen zu machen und groß herauszukommen, wird es nur Ego-Erweckungen geben. Für die echte Erweckung müsst ihr in das Feuer gehen, welches euer Ego verbrennt, Gott wird es nicht gebrauchen, um Erweckung zu bringen. Kein Fleisch wird sich rühmen. Wie weit ihr davon entfernt seid!

 

Sieh den Personenkult, den sie immer noch um die „großen Apostel“ machen. Dies zeigt dir, wie wenig bereit die Gemeinde ist. Sie wollen immer noch groß sein im Namen der Großen und sich wichtig fühlen im Schatten der Wichtigen. Was wäre, wenn ich einen armen, alten Mann schicken würde, um Erweckung zu bringen? Diesen würden sie nicht (an)erkennen und ignorieren:

 

Es war eine kleine Stadt, und wenige Männer waren darin. Gegen die kam ein großer König, umzingelte sie und baute große Belagerungswerke gegen sie. Aber es fand sich darin ein armer, weiser Mann, der die Stadt durch seine Weisheit hätte retten können, aber kein Mensch dachte an diesen armen Mann.“

(Prediger 9:14-15)

 

Nach diesem Zitat pausiert der Engel für einen Moment, und ich denke bei mir: Oh, diese Herausforderung zur Selbstlosigkeit ist eine große Notwendigkeit! Wir haben sie in unseren Gemeinden nicht kultiviert. Wir drehen uns um uns selbst und unser kleines Imperium und hoffen, dass Gott es segnen und „gebrauchen“ wird. Jeder noch so kleine Erfolg wird aufgeblasen und herausgestellt, damit die Leute bleiben und vielleicht von der einen oder anderen Gemeinde Leute zu uns herüberwechseln.

 

Veranstaltete Erweckung

 

Der Engel spricht nun über das in der Gemeinde betriebene Veranstaltungswesen:

 

»Noch immer meinen viele, man könne Erweckung veranstalten. Aber Erweckung ist keine Veranstaltung und kein Gemeindeprogramm. Erweckung wird gerade das Veranstaltungstum zunichte machen und ganz und gar eine Sache des realen Lebens, des Alltags sein. Was nicht im Alltag und nicht im Zuhause der Menschen wohnt und lebt, bestimmt und wirkt, ist irrelevant und nur weiteres, aufgesetztes Kunst-Kirchentum, welches an der Realität vorbei agiert.«

 

»Sind denn alle Veranstaltungen sinnlos?« 

 

»Nein, sie sind nicht sinnlos, sie können inspirieren und belehren, heraus-fordern und ausrichten. Dies ist sehr wichtig, und auch Jesus hat zu den Mengen gepredigt. Allerdings rief er sie nicht in eine Veranstaltungs-Kultur oder Predigt-Stätte, sondern in die Nachfolge. Sobald Menschen sich an „heiligen“ Stätten niederlassen und das geistliche Leben in besondere Gemeindeveran-staltungen verlegen; sobald sie es an geistliche Leiter binden und sobald sie eine Trennung zwischen profanem Alltag und heiligen Sonntagsveranstaltungen installieren und sowie sich darüber hinaus in alledem Routine entwickelt, kann es keine Erweckung geben. Erweckung bedeutet eine Überwindung dieser Zustände.«

 

Nach wie vor ist die Schärfe der Ansagen des Engels unüberbietbar. Mit ein paar Sätzen demontiert er unser so aufwändig etabliertes und gut durchorganisiertes Veranstaltungswesen. Aber nein, er demontierte es eigentlich nicht, sondern stellt es in einen anderen Kontext. Dies scheint mir sehr wichtig zu sein, denn es ist sicher nicht alles falsch, was wir in unseren Gemeinden machen, jedoch „veranstalten“ wir es in einem Rahmen, der leider dazu geeignet ist, alles zu verderben. Über die „Grundstruktur des ganzen Systems – Zwangskirche, Kindertaufe, Hierarchie, Priester-Laien-Dualismus usw.“ wurde in der Einführung (Kirchenschwund) bereits hingewiesen. Wir haben in unseren Gemeinden nach wie vor schwer an diesem Erbe zu tragen und versuchen immer weiter, im falschen Rahmen das Richtige zu tun, was zum Scheitern verurteilt ist.

 

Schlafsucht

 

Der Engel fährt mit seinen scharfen Worten fort: 

»Sowohl das wahre Ausmaß der Verlorenheit als auch die Errettung in Christus ist euch nicht bewusst. Es geht euch zu gut. Ihr schlaft und träumt und nehmt die Realität nicht wahr. Bricht sie in euren Schlaf und Traum ein, wehrt ihr instinktiv ab und wollt nur eines: weiterschlafen. Und Gott soll eigentlich nichts anderes tun, als euren Schlaf segnen und bequem machen und euch schöne Träume bescheren.

 

Die landläufige Vorstellung von Erweckung ist eine „Nach-Feierabend-Erweckung“ in wohltemperierter Gemeindeumgebung unter der Kontrolle professioneller Geistlicher. Die meisten Christen stellen sich vor, dass es nur darum geht, dass viele Menschen sich bekehren, in ihre Gemeinden kommen und so ihre Gemeinden groß und reich werden. Dass es darum gehen könnte, dass sie aufwachen und sich der unbequemen Wirklichkeit stellen und tatsächlich ihr Leben hingeben, damit der Himmel durch sie in ihre Welt fließen kann – das sind fromme Theorien, bei deren Erwähnung in der Predigt alle wissend nicken, um danach im Alltag praktisch genauso gottlos und selbstvoll weiterzuleben wie zuvor.

 

Erweckung ergreift euch ganz und gar und rüttelt und schüttelt euch,

bis ihr wach werdet. Ihr seid nicht leicht zu erwecken!

Eure Ohnmacht dauert schon lange an, und etwas anderes kennt ihr nicht.

 

Eine der Wirkungen des Veranstaltungstums ist, dass es die Leute nach kurzer Zeit aufgrund der immer gleichen Wiederholung einschläfert statt aufweckt. Nach der hundertsten Predigt kennen die Leute so ungefähr alles, was gesagt wird; haben sie erst einmal ein, zwei Jahre Kirche hinter sich, kehrt Routine ein, und sie wissen alles und tun es nicht. Aber da sie weiter in die Veranstaltungen gehen, um weiter immer wieder das Gleiche zu hören, und da nie wirklich verlangt wird, es zu tun, dreht sich alles im Kreis. Manche Gemeinden drehen sich bereits seit Jahrhunderten um sich selbst! Und alle finden das in Ordnung und meinen, sie seien die Kirche Jesu Christi. Absurd!«

 

Neue Bewegungen

 

»Vieles, was die neueren Gemeindebewegungen angepackt haben, geht in die richtige Richtung, nur dass alles ein Vielfaches an Dynamik entwickeln muss, um euch aufzuwecken und sich – wie gesagt – von der Veranstaltung in der Gemeinde in den Alltag zu verlegen. Nach wie vor braucht es wenigstens ein Zehnfaches an Kraft, jedoch wird aktuell noch jedes Feuer im Keim erstickt – es könnte ja jemandem zu heiß werden oder gar verletzen! Ihr wollt die risikofreie, sterile Erweckung unter kontrollierten Bedingungen. Lächerlich! 

 

Darum ist Erweckung für euch ein Drachen. (Anm.: Der Begriff „Erweckung“ wurde dem Autor in der Vision in Gestalt eines schlafenden „Drachen“ dargestellt). Sie wird euer wohlbehütetes, harmloses und humanistisches Gemeindespiel in Stücke reißen. Sie wird nicht nur das Erbarmen des Herrn verkörpern, sondern auch seinen Zorn über ein elitäres, sich selbst genügendes Christentum. Denke an die Sendschreiben in der Offenbarung! Was würde Johannes wohl der Gemeinde in Deutschland für einen Brief schreiben?«

 

Deutsche Theologie

 

Der Engel fährt fort:

»Viele haben ein Christsein auf eigene Faust angefangen oder aber eine Kirche hat sie in ein Anfänger-Programm aufgenommen und bestimmt, was der Anfang des Glaubens sei. Nur was Jesus selbst beginnt, wird auch zur Vollendung gelangen – durch Jesus selbst. Was von ihm und auf ihn gebaut ist, wird Bestand haben, aber es ist in Deutschland nicht viel auf ihn gebaut worden, sondern sehr viel auf Meinungen und Traditionen, Rechthaben und Formalismus. Darin seid ihr Deutschen gut, und darum ist es euch immer wieder zur Falle geworden. Ihr habt die ganze Welt mit eurer Theologie erfüllt.

 

Wo eure Stärke ist, ist eure Schwachheit. Ihr seid gute Verwalter, und nun habt ihr aus der Gemeinde eine Bürokratie gemacht! Ihr habt alles gut geregelt, selbst Jesus und selbst das Reich Gottes! Euch kann niemand hineinreden, alles ist wasserdicht theologisch abgesichert. Aber ihr seid nicht die Anfänger und auch nicht die Vollender – Jesus ist es. Er hat euch nie dazu bestellt, die Aufgabe für ihn zu übernehmen und seine Statthalter auf Erden zu sein.

 

Vieles habt ihr euch genommen, was euch nicht gegeben wurde, und habt eure Anmaßung gerechtfertigt mit eurer „hohen Theologie“ und langen Tradition. Gott ist weder an dem einen noch an dem anderen interessiert. Eure Schwerpunkte sind falsch gelegt, und das darauf gebaute Haus ist ganz euer eigenes und nicht Gottes Haus. Kommt Erweckung, bleibt nichts davon übrig; ihr Feuer wird es zu Asche verbrennen.

 

Sehr viel habt ihr begonnen, immer und immer wieder und ach so vieles ist fruchtlos wieder vergangen. Ihr habt euch immer wieder verwundert und manchmal auch verbittert gefragt: „Warum das?“ Ihr habt unendlich viel gearbeitet und investiert und Menschen in euren Gemeinden als billige Arbeiter für eure Gemeinde-Reiche missbraucht, von denen ihr verkehrterweise behauptet, sie seien Gottes Reich. Bei alledem ist nichts herausgekommen – erst wenn ihr Jesus den Anfänger sein lasst, wird endlich das beginnen, wonach ihr verlangt habt und immer und immer wieder versucht habt, es selbst herzu-stellen.«

 

Die Worte des Engels – immer noch unüberbietbar scharf – lassen mich an eine kleine Geschichte denken, die ein Klassiker zum Thema „akademisches Wissen kontra Weisheit“ ist: Während eines Gesprächs zwischen einem Universitäts-professor und einem Mönch begann der Mönch, Tee einzuschenken. Er goss den Tee aus, bis die Tasse überlief und goss immer weiter. Der Professor rief erregt, er solle aufhören. Darauf erwiderte der Mönch: „Ihr Kopf ist wie diese Teetasse. Er ist schon voll. Da ist kein Platz für Weisheit.“ (Joan Borysenko)

 

Der Engel erklärt weiter:

 

»Das Feuer der Erweckung wird so viel Eigenes, Fleischliches, Irdisches und Dämonisches verbrennen, dass ihr meint, es würde euch nichts als Asche übrig bleiben und es könne nur der Feind sein, der euch so vernichtet. Denke an 1. Korinther 3:12-15! Dort ist die Rede von dem reinigenden Feuer. Ihr braucht euch nicht davor zu fürchten. Das tut ihr aber, denn es ist heiß. Erst wenn ihr es von Herzen haben wollt, wird das Feuer euch dienen, um euch ausschließlich auf Jesus Christus zu gründen. Der Drache „Erweckung“ wird euch in Christus hineintreiben, wie ihr es niemals für möglich gehalten habt. Nur habt ihr gemeint, ihr wärt schon in Christus, weil ihr die Theologie darüber so gut kennt – in der Theorie. Praktisch gesehen gibt es nicht viele Christen in eurem Land, die tatsächlich in Christus sind, weil eure ganze Kultur eben dies verhindert – auch eure theologische Kultur.

 

Ihr habt gemeint, ihr wärt in eurem Land frei, Jesus zu folgen, aber wie in aller Welt seid ihr nur frei im Rahmen der Vorgaben von Mehrheiten, Institutionen und Regierung – ob weltlich oder kirchlich. Sie alle proklamieren „Freiheit“, halten jedoch die Zügel stramm und die Möglichkeiten der Freiheit praktisch gesehen sehr begrenzt. Sollte jemand z. B. wirklich ernst mit dem Glauben machen, ist er sofort ein Fanatiker, Fundamentalist, religiöser Spinner usw. Er wird diffamiert, ausgegrenzt und sanktioniert, um wieder mit der Mehrheit, den Institutionen und Regierungen, auf Linie gebracht zu werden. (Damit sage ich nicht, es gäbe keine wirklichen Fanatiker; es braucht Unterscheidung!) Solange er sich wie alle anderen um sich selbst dreht, sich dem Diktat des Zeitgeistes beugt und die Interessen der „Oberen“ bedient, ist alles o. k. Sollte er aber ins Feuer gehen und eine neue Schöpfung werden, dann muss er auf die eine oder andere Weise verschwinden.«

 

Feuerprobe
 

Die Worte des Engels sind wie gehabt extrem herausfordernd, ernüchternd und provozierend. Ich spüre jedoch, wie viele solcher „ernsten“ Worte ich brauche, um überhaupt von ihnen angestachelt und eben „erweckt“ zu werden. Ein „netter“ Gottesdienst am Wochenende reicht dafür bei Weitem nicht aus.

 

Ich stelle mir vor, wie eine Gemeinde ganz naiv betet, das Feuer Gottes bzw. der Erweckung solle auf sie fallen – und dann fällt es tatsächlich und verwandelt die Gemeinde in Asche. Alles, was nicht auf Christus gebaut ist, verbrennt. Welch ein Schock! Der Feuertest wird die Wirklichkeit ans Licht bringen: den wirklichen Glauben, die wirkliche Hoffnung und die wirkliche Liebe, die es nur in Christus Jesus und nicht in Programmen, Liturgien und frommen Illusionen gibt.

 

Viele Gebete der Gemeinde kann Gott einfach nicht erhören,

denn die so beten, „wissen nicht, was sie tun“.

Sie haben dermaßen unrealistische Vorstellungen von den Konsequenzen,

die die Erhörung ihres Gebetes mit sich bringen würde,

dass man Gott nur danken kann für die Nicht-Erhörung.

 

Viele Gebete um Erweckung sind gut gemeint, aber einfach unreif. Unreife aber produziert keine Reife, sondern noch mehr Unreife. Wie oft war ich „versucht“, das Gebet wohlmeinender Geschwister im Glauben zu unterbrechen, um ihnen klarzumachen, was sie da eigentlich beteten, ohne begriffen zu haben, was sie sagten. Vielen Christen sind sowohl die Inhalte als auch Konsequenzen ihrer Gebete weder bewusst noch interessiert es sie überhaupt. Ihnen ist daran gelegen, dass ihre Worte sehr „gesalbt“ klingen und mit frommen Floskeln gespickt sind, so dass die, die sie hören, davon beeindruckt sind. Vor so etwas warnt Jesus ausdrücklich. Es ist nichts als Eitelkeit.

Erweckung wird sie verschlingen.

 

Sehnsucht und Verlangen

 

Der Engel sagt:

»Gestern, in einem Gespräch mit den Brüdern, wurde es immer heißer. Das mit Erweckung unvereinbare Wesen der Veranstaltungs-Gemeinde wurde im Laufe der Unterhaltung immer offenbarer und im Zuge dessen auch, wie weit ihr von der Verwirklichung des Evangeliums entfernt seid. Die Kirche hat zu vieles ausgebrütet, was nicht das Wort ist, wie einst Abraham einen Ismael zeugte. Immerhin hat euch Sehnsucht und Verlangen bis an diesen Punkt getrieben, ehrlich miteinander zu sein und eure Enttäuschungen ungeschminkt zuzu-geben, aber die Spuren des Unwesens der Gemeinde, die gar nicht Gemeinde ist, sondern sich nur so nennt, sind tief in euch gegraben und eingeschrieben worden. Ihr müsst noch weiter entleert, gereinigt, ausgeputzt und dann neu gefüllt werden, der Prozess ist noch nicht zu Ende, sondern in vollem Gange. Ihr seid noch keine Jünger, kämpft euch aber zu ihrer Dimension durch.«

 

Das sind mal wieder die für diesen Engel typisch scharfen Worte. Sie haben das Potenzial, mich aufzurütteln und hoffentlich zu erwecken, denn mir ist klar, dass ich noch nicht am Ziel der Reise angekommen bin, sondern erst neben ihm sitze. Ich taste mich mit Hilfe des Engels an „Erweckung“ heran und muss mich durch eine Menge alter Prägungen und frommer Klischees durcharbeiten, um zur Wirklichkeit durchzubrechen. Ja, es handelt sich wirklich um eine „Geburt“. Auch wenn manche Worte mir hart erscheinen und mich ein wenig verletzen, will ich keines davon missen, denn wie sollte ich sonst ein Jünger werden? Der Engel ist hier, und Gott hat mich hierher gebracht – durch Sehnsucht und Verlangen nach dem „Echten“, damit ich den Weg ins Feuer finde und alle Hindernisse zu Asche werden. Also gut.

 

Unglaube

 

Der Engel fährt fort, über den Prozess des Näherkommens bzw. der wachsenden Identifikation zu sprechen, ohne die Erweckung nicht geschehen kann: 

 

»Die Stufe ist jetzt für euch:

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht,

wie in der Erbitterung.

(Hebräer 3:15)

 

Hast du gestern die „Erbitterung“ bei einem der Brüder gespürt? Hast du gesehen, wie er den eigenen, gottgegebenen Impulsen nicht gefolgt ist, immer und immer wieder nicht, weil er von der Gemeinde daran gehindert bzw. mit zu vielen anderen Dingen davon abgelenkt wurde? Du hast ihn ermuntert, seinem Herzen treu zu sein und MUT zu gewinnen. Erweckung ohne diesen Mut, zum eigenen Herzen und der eigenen Führung zu stehen, kann es nicht geben, aber genau dagegen steht die Gemeinde immer wieder, indem sie die Prozesse der Identifikation der Gläubigen mit Gottes Führung nicht fördert, sondern abbricht und durch ihre eigene Führung ersetzt. Auch wenn dies wohlmeinend geschieht, ist es nicht legitim. Ersetzen ist etwas anderes als Korrektur. So widerfuhr es auch damals allen, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren, die kollektiv nicht der Führung des Geistes in das gelobte Land folgten – außer Josua und Kaleb, denn in ihnen wohnte ein anderer Geist (4. Mose 14:24). Der Engel zitiert weiter aus dem Hebräerbrief: „Wegen ihres Unglaubens konnten sie nicht in das verheißene Land – die Ruhe – hineinkommen. (Hebräer 3:19) Diese Geschichte ist für euch aufgeschrieben worden, denn weiter heißt es: „Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt worden, wie auch jenen; aber das gehörte Wort nützte jenen nichts, weil es sich bei denen, die es hörten, nicht mit dem Glauben verband.“ (Hebräer 4:2). Die Gefahr des „nur Hörens ohne zu reagieren“ ist groß und verbreitet und eine erstrangige Versuchung (Hebräer 3:8). Höre!«

 

Hörer oder Täter des Wortes?

 

»Die Gemeinde ist dem Trug verfallen, Hörer und nicht Täter des Wortes zu sein (Jakobus 1:22)«, fährt der Engel fort. »Sich dies zu erlauben, ist ein folgenschwerer Fehler und sowohl gegen die Schrift als auch den Geist gerichtet. Sie hören und hören und lassen sich nicht auf das Gehörte ein. Das ist das Wesen des Unglaubens. Sie verhärten ihr Herz durch Abstumpfung und Gewöhnung immer mehr, bis sie nichts mehr bewegt und in der Folge ihre „Leiber in der Wüste verfallen“ (3:17), während sie nie in das Verheißene Hineinkommen. Wer doch noch sein Haupt hebt und reagieren will und sich nach der Realisierung des Wortes sehnt, wird „getötet“. So entsteht das Knochental von Hesekiel 37 und füllt sich endlos mit substanzlosen Knochen, die „Augen haben, ohne zu sehen, und Ohren, ohne zu hören, und Münder, ohne zu antworten“. Darum müsst ihr aus den Toten aufstehen und ihre Gemeinschaft verlassen und der Christus wird euch leuchten. Es geht um euer Leben! So steht es alles geschrieben, und ihr habt zahllose Predigten darüber gehört – und dennoch euer Herz verhärtet durch den Betrug der Sünde.«

 

Ich kenne den Trick, den die Gemeinde anwendet, um ihre Leute auf Kurs zu halten, gut. Auf der einen Seite erklärt sie den Gläubigen, dass sie gar nicht in der Lage sind, die Führung Gottes zu erkennen und zu begreifen – dafür brauchen sie den Klerus, also Pastoren, Leiter, Lehrer usw., die dies „studiert“ haben und alleine legitimiert, gesalbt und dazu in der Lage sind, die Führung zu unterscheiden und zu beurteilen. Folgen die Leute „ohne Genehmigung von oben“ der Führung des Geistes, werden sie als Rebellen abgestempelt, die sich nicht unterordnen. Das „Führungsmonopol“ bleibt also in der Hand der Profis. Sie bestimmen, wo es langgeht. (Ich selbst habe als Gemeindeleiter zu dieser unseligen „Zensur“ gehört und vieles aussortieren müssen, was meines Erachtens nicht zur „Vision“ bzw. dem „Leitbild“ der Gemeinde passte.) Auf der anderen Seite legt sie den Gläubigen nahe, dass Gott sie gar nicht persönlich führt, sondern dies indirekt durch die Bibel und die Gemeinde tut. Viele Gemeinden haben sich ganz von den Geistesgaben verabschiedet und leben nur von ihrer Tradition.

 

Gott unter uns

 

Der Engel fährt mit seiner Rede weiter fort:

»Wo das Feuer brennt, geschieht 1. Korinther 14:24-25: Jedermann erkennt, dass Gott wirklich unter euch ist. Bedenke: Jeder erkennt es für sich selbst. Es ist keine Endlos-Belehrung darüber nötig, keine komplizierte Theologie und Predigt darüber, dass Gott ja theoretisch „überall“ ist, nur eben leider unsichtbar, so dass wir nichts davon merken. Unsinn! Das Feuer selbst, die manifeste Gegenwart Gottes bewirken es, und jeder merkt es. „Menschen des Feuers“, „Menschen der Gegenwart Gottes“, „Söhne Gottes“ – darum geht es, das ist die Frucht des Evangeliums, welches lebendig ist und lebendig macht. LEBEN ist das Kennzeichen Gottes. Der Drache Erweckung (Anm.: Drache = Sinnbild) verschlingt den Tod, den ihr immer wieder gerne mit Leben verwechselt.«

 

Inzwischen liebe ich die strengen  Worte des Engels! Natürlich ist es sehr erschütternd, was die Tradition der Kirche aus all den wunderbaren Attributen des Evangeliums gemacht hat und dass die Gemeinde stellenweise so weit gekommen ist, in ihren hohlen Liturgien gestorben zu sein – ohne es freilich zu merken. Einer der Gemeinden in der Offenbarung – Sardes – attestiert es Jesus persönlich: „Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot.“ (Offenbarung 3:1). Wie die Kirche auf die Idee gekommen ist, ihre ritualisierte Form von Gottesdienst wäre das, was Gott gefällt, und stelle ein angemessenes Gefäß für das Feuer, den Geist und das Leben dar, ist verwirrend. Nur auf der Basis einer langen Kirchengeschichte voller Abartigkeit, Anmaßung und Missbrauch sowie einer Vermischung des Evangeliums mit griechischer und römischer Philosophie ist zu begreifen, wie wir dahin kommen konnte, wo wir stehen.

 

Das Groteske ist, dass wir noch immer auf das Feuer, die manifeste Gegenwart Gottes und das Leben, „welches in Strömen von uns fließen sollte“ (Johannes 7:38), verzichten können und trotzdem davon überzeugt sind, wir seien die Kirche Jesu Christi und glaubten an die Bibel. Jesus besteht darauf, dass wir uns die Früchte einer Unternehmung anschauen sollen, um zu sehen, was sie in Wirklichkeit ist (vgl. Matthäus 7:15-20). Die Kirche bringt in weiten Teilen nicht die Frucht des Evangeliums hervor, schon sehr lange und gewohnheitsmäßig nicht, und dennoch weigert sie sich, einzugestehen, dass sie sich unter diesen Umständen etwas in die Tasche lügt. Das Urteil der Bevölkerung in unserem Land über die Kirche ist vernichtend: langweilig, gestrig, konservativ, borniert. Die große Mehrheit kommt nicht einmal mehr auf die Idee, Gott in der Kirche zu vermuten; sie geht ganz woanders hin, um ihren spirituellen Hunger zu befriedigen.

 

Also hat der Engel Recht, 1. Korinther 14:24-25Gott unter uns – kommt bei uns im Allgemeinen und in der Regel nicht vor. Muss auch nicht, wir haben uns längst darauf eingestellt, dass sein Platz leer bleibt, in seiner Abwesenheit spielen wir Kirche. Längst hat die Kirche sich ja auch an diese Kritiken der Welt gewöhnt. Diese prallen an ihr ab; sie hat eine dicke Haut und einen langen Atem.

Aber der Engel hat dazu noch mehr zu sagen:

 

Erweckung vor der Erweckung

 

»Dort in 1. Korinther 14 steht noch etwas: „Wenn aber alle weissagen … wird der Unkundige von allen überführt, von allen beurteilt.“ Siehst du die Fülle in diesen Worten? Heute sind es Einzelne, und ihr haltet ihren prophetischen Dienst für besonders und seine Wirkung für eine Ausnahmeerscheinung – weil ihr an Mangel gewöhnt seid und die normale Intensität – das Feuer – der Gemeinde verloren gegangen ist. Sieh nun, wie der Text weitergeht: „Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder …“ (14:26).

 

Die heutige Gemeinde ist darauf nicht eingerichtet und kennt das Feuer nicht. Alles, was in der Schrift als das normale Level beschrieben wird, ist bei ihr eine Ausnahme, und die Fülle dessen ist für die Leiterschaft gar nicht denkbar. Alles ist auf die Abwesenheit der Herrlichkeit, Abwesenheit der Gegenwart Gottes und Abwesenheit der Fülle eingerichtet, so dass die Fülle, wenn sie denn kommt, alles über den Haufen wirft, was auf Mangel gebaut wurde. Sie wird den Rahmen sprengen, also wird man sie fortjagen, wie einst Jesus aus der Synagoge gejagt wurde (Lukas 4:14 f).

 

Es stört ihren gewohnten Ablauf – welch ein Ärgernis! Darum gibt es vor der Erweckung erhebliche Konflikte, eine Art „Erweckung vor der Erweckung“: Steigende Wellen künden die kommende Flut an, einzelne Gewitter-Tropfen den bevorstehenden Sturzregen. Wie die Tiere vor dem Wettersturm unruhig werden, so haben sensible Menschen vermehrt Träume von Überschwemmungen und Bränden, Zerbruch und Krieg. Höre nur, was die Leute erzählen!  Sie halten das für „wirres Zeug“, aber nicht alle Träume sind Schäume, wie die Schrift eindeutig belegt, aber wer achtet schon auf die Schrift und rechnet mit ihrer Erfüllung?«

 

Ja, denke ich, wir haben uns an eine rein psychologische Deutung der Träume gewöhnt. Wie bei so vielen konstituierenden Elementen des Evangeliums haben wir uns erlaubt, unser Gemeindetum einfach auf andere Fundamente zu stellen und es anders zu betreiben als es vorgesehen ist.

 

Fundamente

 

In der Geburtsstunde der Kirche, an Pfingsten, hielt Petrus eine wegweisende Rede, in der er ihr Schicksal mit der „Ausgießung“ des Geistes über alles Fleisch“ verknüpfte (Apostelgeschichte 2:14 f). Diese Ausgießung würde sich ausdrücken in Weissagung (Prophetie), Gesichten und Träumen, die alle haben würden. Genau diese Merkmale nennt Petrus und erklärt sie als Erfüllung der prophetischen Worte von Joel. Für ihn ist Kirche gar nichts anderes als die Erfüllung der Weissagungen aller Propheten zuvor – seltsam, wie wenig man davon heute in der Kirche hört. Für die praktische Gemeindearbeit ist das ehrlicherweise völlig irrelevant. Ich meine: Es geht in der Gemeinde heutzutage immerzu um ganz andere Inhalte und entsprechend dient die Kirche heute gar nicht mehr der Ausgießung des Geistes und der Erfüllung der Prophetien.

 

Was sollen aber nun die Leute tun, die aller Ignoranz zum Trotz Weissagungen, Gesichte und Träume haben? Nun, sie gehen damit einmal zur Gemeinde-leitung, blitzen normalerweise mächtig ab und hinfort behalten sie ihre Offenbarungen entweder für sich selbst oder wandern in sektiererische oder esoterische Kreise ab, die dafür offen sind. Einige Gemeinden lassen infolge der charismatischen Erneuerung inzwischen ein gewisses Maß an Prophetie zu, jedoch zumeist nur dosiert, zensiert und oberflächlich. Ein paar „nette“ Worte zur Erbauung sind im Gottesdienst erwünscht und werden weitergegeben, jedoch haben sie praktisch gesehen keinen Einfluss auf das Betreiben der Gemeinde, die nach wie vor nicht abweicht von den traditionellen Strukturen – da kann der Geist sagen was er will. Die Weissagungen, Gesichte und Träume, die nicht passen, werden aussortiert oder so gedeutet, dass sie passen. Die Deutungshoheit liegt ganz in den Händen der Professionellen – nicht der Gemeinde.

 

Unverständlicherweise ist der Umgang mit Visionen, Prophetien und Träumen auch kein Thema in der theologischen Ausbildung. Wovon also Petrus als zentrales Moment der Erweckung spricht – und ist die Erweckung der Menschheit zu Gott nicht die eigentliche Aufgabe der Kirche? –, kommt heute in der modernen Gemeindearbeit faktisch nicht vor. Weder im Gemeindealltag noch im Hochschulstudium. Wir ignorieren sowohl die Schrift als auch den Geist, betreiben das Unternehmen Kirche nach eigenen Vorstellungen und wundern uns dann, warum Gott einen weiten Bogen um unser „Gotteshaus“ macht. Es kann natürlich nicht an uns, sondern es muss an ihm liegen.

Aber hören wir weiter, was der Engel der Gemeinde zu sagen hat:

 

Kirche in Bewegung

 

»Überhaupt ist eure Kirche nicht auf Bewegung vorbereitet, sondern auf Stillstand, auf endlose und regelmäßige Wiederholung. So geht sie keinen Weg, sondern dreht sich im Kreis. Alle Bilder von Erweckung durch den Geist in der Schrift aber sind Bilder der Bewegung: Der Wind, der weht, das Wasser, das fließt, das Feuer, das brennt … und die Jünger, die als seine Zeugen gehen – bis an die Enden der Erde (Apostelgeschichte 1:8).

 

Wie wollt ihr den Weg zurückgehen von der Kathedrale zum Zelt? Wie könnt ihr mit dem Geist gehen: mit dem Wind, mit dem Feuer, mit dem Fluss? Ihr wisst darauf keine Antwort, ihr habt euch ja die Fragen nicht einmal gestellt. Selbst die Fragen sind euch schon unbequem und anstrengend. Ihr habt dafür keinen Kopf und keine Zeit; eure angestellten Profis sollen sich bitteschön darum kümmern. So kann es niemals Erweckung geben.«

 

Ich sehe den Konflikt für die Leiterschaft: Soll sie das Risiko des Feuers eingehen oder lieber nicht? Ich bin davon überzeugt, dass viele Pastoren sehr wohl die Probleme sehen, die wir haben, dass sie aber zögern und abwarten, sich wirklich auf Erweckung einzulassen. Sie befürchten, dass die gewohnte Kirchlichkeit dabei in Flammen aufgehen und die Leute weglaufen könnten. Schließlich hängen ihre Gehälter an dem Fortbestand der für Erweckung untauglichen Gemeinde. Dies aufs Spiel zu setzen, bedürfte zunächst einer ganz persönlichen Erweckung der Leiter, durch die sie dafür bereit werden, alles aufs Spiel zu setzen.

 

Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Da sagt der Engel die Worte, mit denen ich angesichts der Misere nicht mehr gerechnet habe. Sie lassen mich mächtig aufatmen und rufen die verlorene Hoffnung zurück:

 

»Aber es wird Erweckung geben, der Sturm wird kommen,

so auch die Flut und auch das Feuer – über die ganze Erde.

Sie wird verschlungen und gereinigt werden;

nichts wird bleiben, wie es ist.«

 

 

Die Flut

 

»Die Zeichen der Zeit stehen auf Sturm, Flut und Feuer, dies ist unübersehbar«, fährt der Engel fort. »Die Kirche hat gedacht, sie würde davon verschont werden, weil sie doch die Kirche ist, jedoch ist es umgekehrt. Sie wird nicht verschont, weil sie die Kirche ist, sondern das Gericht fängt gerade bei ihr an, weil sie die Kirche ist (1. Petrus 4:17). Im Gleichnis vom Haus auf Sand gebaut und dem Haus auf Felsen gegründet stößt die Flut an beide Häuser – und das eine fällt, aber das andere bleibt stehen (Matthäus 7:24 f). Heute wissen Menschen bei vielen Gemeinden nicht, worauf diese wirklich gegründet sind, ob auf Sand oder auf den Felsen; die Flut jedoch wird es offenbaren. Dabei wird es ganze Kirchenimperien geben, von denen sich herausstellt, dass sie auf Sand gebaut sind, und sie werden versinken, aber unscheinbare Hütten, die niemand überhaupt als „Kirche“ identifiziert hätte, die sind auf dem Felsen gegründet und werden im Sturm stehen bleiben. Die Flut wird es zeigen. Sie stößt an die Grundmauern und spült die Wurzeln frei.

 

Das Bild der kirchlichen Landschaft

wird nach der Flut nicht wiederzuerkennen sein.

 

Das Feuer

 

»Genauso wird das Feuer offenbaren, was aus Holz, Heu und Stroh gebaut ist (1. Korinther 3:11-17) – viele Kirchen sind nur Strohkirchen – und was aus Stein und Metall gebaut ist. Es werden beeindruckende Papiere verbrennen – ganze Berge davon – und unscheinbare Steine werden bleiben.«  

 

Bei diesen Worten erinnere ich mich auch daran, dass die Schrift noch einen weiteren Aspekt des Feuers bezeugt, nämlich dass das Feuer die Schlacken ausscheiden und das reine Metall bzw. Gold übrig lassen wird (z. B. Jesaja 1:25). In diesen Bildern heizt das Feuer einen Glutofen an, in dem das Erz schmilzt und sich in seine Bestandteile auflöst, damit herausgelöst werden kann, was nicht hineingehört – die Schlacken. Da wir auch heute an eine so grandiose Vermischung gewöhnt sind, wie die Besprechung der Hindernisse im vorigen Kapitel gezeigt hat, braucht es erneut den Hochofen, um uns aufzulösen, zu reinigen und dann in die richtige Form zu gießen. Keine angenehme Vorstellung! Niemand will geschmolzen werden, aber anders geht es nicht. Ich nehme an, auch diese Reinigungs- und Transformationsprozesse sind kein Thema auf den theologischen Schulen. Wenn dann Menschen durchs Feuer gehen und ihr Inneres „zerkocht“ wird, stehen die professionellen Leiter daneben und wissen nicht, was vor sich geht; sie können spirituelle von psychologischen Krisen nicht unterscheiden.

 

Der Sturm

 

Der Engel fährt fort: »Der Sturm wird hindurchfegen und den Staub wegpusten, so dass sichtbar wird, was sich darunter verbirgt. Er wird das alte Laub aus den Bäumen blasen und die Stabilität der Wurzeln, Stämme und Geäste prüfen, und dann wird alles Unverbundene und Instabile brechen und vom Wind umgerissen oder fortgetragen, das richtig Gebaute/Gewachsene aber wird standhalten. Das richtig Gebaute ist das, was sich tatsächlich nach dem himmlischen Vorbild richtet und so baut, wie es dort gebaut ist, und sich nicht an irdischen Vereins-Vorstellungen und „heiligen“ Traditionen orientiert. Ihr habt den Spruch formuliert: „Wenn der Sturm weht, bauen die einen Dämme, die anderen Windmühlen.“ Die einen wehren und schützen sich, die anderen nutzen die Situation und die Energie der Entfesselung. Die einen gehen mit dem Sturm durch das Meer, die anderen ertrinken darin. So ist es immer.«

 

Polarisierung

 

»Ich will die Zeichen der Zeit erkennen, und ich will mich auf den Wind, die Flut und das Feuer – und sie in Fülle – einrichten!«, antworte ich dem Engel, der mir mit all dem Gesagten den Eindruck vermittelt, dass es eine Art „rücksichtslose Erweckung“ geben wird, die den Elementen gleicht, die nicht erst anklopfen und unsere Genehmigung einholen, ob sie auch kommen dürfen. Dies zeigt die „Drachennatur“ der kommenden Erweckung. Sie wird heiß und stürmisch, überflutend und unentrinnbar sein. Vielleicht fallen die Wehen der Endzeit und die Wehen der letzten Erweckung zusammen, und so werden die schlimmsten Zeiten gleichzeitig die besten sein, die die Kirche je gesehen hat. es kommt ganz auf die Perspektive an, aus der man die Sache betrachtet und aus der man die entsprechenden Bibelstellen deutet. Vielleicht polarisiert eine solche Art von „ungeheurer“ Erweckung die Christenheit. Die einen fallen ab, wie man nur abfallen kann, während die anderen aufwachen, wie man nur aufwachen kann. Diese werden die schwierige Stunde zu nutzen wissen, während die anderen in Furcht vergehen.

 


Quelle: Feuerbrobe von Frank Krause | Grafik: © baldas1950 - Fotolia.com



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