Institutionalisierte Gemeinde 

 

»Weder die Braut noch ihr Weg der immer zunehmenden Nähe und Identifikation mit mir mit dem Ziel der großen Hochzeit in der Stadt des Bundes sind ein Thema in den Kirchen und in ihren Katechismen«, unterbricht Jesus an dieser Stelle meine Gedanken über die Fundamente. Es tut schon weh, zu hören, dass das, was ihm das Wichtigste ist, in unseren kirchlichen Strukturen und Doktrinen gar nicht erst vorkommt oder nur ein Schattendasein fristet. Selbst die Gemeindeordnungen mit ihren frommen Absichtserklärungen haben das im Allgemeinen nicht zum Inhalt. Allzu vieles dreht sich nicht um die Liebe, die große Aufgabe der Überwindung der durch die Sünde verursachten Zertrennung und die Wiedererlangung der Einheit. Das Wichtigste wird zur Nebensache und die Nebensachen zur Hauptsache. Das ist die falsche Betonung, die ein anderes Evangelium hervorbringt. In diesem stehen heute zumeist der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt (Humanismus), die von der Gemeinde bedient werden sollen. Darüber hinaus steht die Gemeinde selbst im Mittelpunkt: Alles dreht sich um ihr Programm, den Dienst, die Finanzen, Strukturen, Hierarchien, Gebäude, Konvente, Verwaltung usw. Der Schritt dahin, dass Jesus nur noch Mittel zum Zweck ist, um den Apparat am Laufen zu halten, geschieht ganz subtil und unbemerkt. Die Prioritäten verschieben sich langsam aber konsequent in Richtung der institutionalisierten Ausbeutung Gottes und der Mitglieder.

 

 

Mit der sich einstellenden Routine kommt auf die Dauer jede Leidenschaft für Jesus zum Erliegen und macht einer „gepflegten Langeweile“ Platz, der von der Gemeindeleitung mit immer neuen Angeboten (Aktionismus) entgegengewirkt wird, um die Gemeinde bei Laune zu halten. Das Ergebnis ist meist, dass trotz viel Aktivität wenig erreicht wird und sich im Grunde nichts bewegt. Mit der Zeit entwickeln sich eine wachsende Bürokratie und Hierarchien. Das ist dem Ausgestalten einer Liebesbeziehung gar nicht dienlich, da es dabei um Funktionalisierung, Standardisierung und Normierung geht, die mit der Zeit ein Eigenleben entwickeln und die Ressourcen der Gemeinde für ihren Selbsterhalt verschlingen.

 

Jesus fährt fort: »Da sich das Geheimnis der Liebe zwischen Braut und Bräutigam nicht verwalten und regeln, definieren und veranstalten lässt, tun sich die Gemeinden aufgrund ihrer Organisationsformen schwer damit. Viele müssten geschlossen werden, weil sie dem Evangelium nicht mehr entsprechen und völlig vom Weg abgekommen sind, aber ihre Statuten sehen das nicht vor, also machen sie immer weiter. Solange die Finanzen stimmen, werden sie nicht aufhören, also entziehe ich vielen die Finanzen, wogegen sie mit aller Kraft ankämpfen und anbeten. Sie können sich nicht vorstellen, dass es Gott sein könnte, der ihre Auflösung sehen will, damit sie zur ersten Liebe zurückehren können. Es ist die paradoxe Situation eingetreten, dass viele Gemeinden sich auflösen müssten, um wieder wirklich Gemeinde werden zu können. Sie sind in ihren eigenen Systemen, Traditionen, Regeln und Formen gefangen und können mir nicht folgen, weil sie sich nicht überwinden können.

 

Die sieben Sendschreiben an die Gemeinden in der Offenbarung (Kapitel 2 und 3) mahnen alle Gemeinden ausnahmslos, dass sie erstens hören sollen, was ihnen der Geist sagtund dass sie zweitens sich selbst überwinden sollenwo sie von der ersten Liebe bzw. der leidenschaftlichen Nachfolge abgewichen sind. Alle Gemeinden waren durch verschiedene Anlässe und Entwicklungen dazu versucht, nicht auf den Geist zu hören und sich nicht selbst zu überwinden, und so ließ ich ihnen Briefe schreiben.«

 

»Wie haben sie denn darauf reagiert?«, frage ich neugierig.

 

»Die Briefe kamen rechtzeitig, um überhaupt noch reagieren zu können. Ab einem gewissen Maß an Institutionalisierung und Traditionalisierung reichen keine Briefe mehr aus; sie werden dann zensiert und auf ihre Nützlichkeit für die Organisation hin von entsprechenden Stellen überprüft.

 

Kannst du den Konflikt sehen? Die Liebe braucht eine Haltung ständiger Selbstüberwindung; die Institutionalisierung aber geht genau den anderen Weg und trifft Festlegungen, die für alle Zeiten und alle „Mitglieder“ gelten sollen, um für Kontinuität und „Einheit“ zu sorgen. Es geht nicht mehr um Überwindung, sondern um Anpassung, es geht um Unterordnung unter Satzungen, Vorgesetzte und gegebene Strukturen, für deren Erhalt gearbeitet wird. Mit Jüngerschaft hat das ab einem bestimmten Punkt nichts mehr zu tun.«

 

(Jesus Christus)

 


Quelle: Unterwegs in die goldene Stadt von Frank Krause | Foto: © kasto - Fotolia.com


 


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!