[Ich wurde mit Jesus] zusammen an eine Landstraße versetzt. Es ist nachtdunkel, und ich sehe Jesus einen Zaun anheben, um dort einen Mann herauszulassen. Er hebt den schweren Zaun einfach hoch und lässt den Mann frei, aber das Heben des Zaunes wirkt bei Jesus so, als sei es ganz leicht und als habe der Zaun kein Gewicht. Das bringt mich auf den Gedanken, dass manche Grenzen vielleicht nur so mächtig und gut befestigt aussehen, in Wahrheit aber gar kein Gewicht haben. Ihre Kraft liegt in ihrer Täuschung. Wie auch immer, der Mann zögert einen Moment lang verwundert und scheint Jesus und mich gar nicht zu erkennen. Dann läuft er schnell durch die Lücke, und Jesus lässt das Zaun-Element wieder herunter. Er lächelt dem Mann hinterher, wie dieser auf die Straße läuft und versucht, sich zu orientieren. Er schaut die Straße hinauf und hinunter und geht dann in Richtung des Tales der Sammlung der Armee los. Etwas wie ein innerer Kompass scheint ihm diese Richtung anzuzeigen.

 

Die Kirche ist allerdings entsetzt, einen Mann zu verlieren und kann sich nicht im Geringsten vorstellen, wieso er nicht in den sicheren Grenzen geblieben ist, und noch viel weniger, dass es der Herr sein könnte, der ihre Schutzzäune demoliert hat. Wie auch? Sie ist sich ja gar nicht sicher, dass er auf ihrer Seite innerhalb der Grenzen steht und ihnen mit allen Mitteln hilft, die Zäune sicher und fest zu machen, so dass kein Schaf verloren geht. Ich verstehe sie sehr gut und habe die längste Zeit im Gemeindedienst genauso gedacht, aber die Kirche täuscht sich darin. Jesus will ihr ihre Schafe stehlen! Darum verwechselt sie ihn so leicht mit dem bösen Dieb und Wolf.

 

Die Idee, dass Menschen in den von ihr gesetzten Grenzen und Ordnungen nicht weiterkommen und weder mündig noch reif werden können, dass sie dort weder sie selber werden noch dem wirklichen Jesus wirklich folgen können, kommt ihr nicht in den Sinn, da sie ja meint, sie sei die Gemeinde Jesu Christi, und an ihr vorbei würde Jesus sicherlich nichts tun. Sie hält es sogar für ihre primäre Aufgabe, Grenzen zu setzen und Menschen darin eingezäunt zu halten – zu ihrem Schutz und um sie dort zu versorgen.

 

 

Ich sehe Jesus überall durch die Kirchen, Gemeinden und religiösen Organisationen gehen und Zäune anheben, um überall ein paar Grenzgänger herauszulassen. Sie strömen mit einer instinktiven Orientierung Richtung Tal der Armee. Ich freue mich an ihnen und ermuntere die, die uns wahrnehmen können, weiterzugehen und bestätige ihnen die Richtung. Ich ermutige sie, ihrer Intuition in der Sache zu vertrauen und mit dem Beistand von Engeln zu rechnen. »Bleibt nicht stehen! Ihr werdet nicht fehlgehen. Lauft nur weiter, dreht euch nicht um, und betet immer!«, rufe ich ihnen zu.

 

Ich sehe, es gibt überall Wege zwischen den Gemeinden und ihren Zäunen, richtige Wege und Straßen. »Wissen denn die Gemeinden das?«, frage ich Jesus. »Die Gemeinden wollen, dass die Wege dazu genutzt werden, zu ihnen zu gelangen«, antwortet Jesus. »Sie halten sich für das Ziel der Wege.«

 

»Sie meinen, wenn jemand zu ihnen gekommen ist, sei das Ziel erreicht, und es gäbe für die Gläubigen bzw. Gemeindeglieder keinen weiteren Weg mehr zu gehen. Sehe ich das richtig?«, frage ich weiter. »Ja«, meinte Jesus, »sie meinen, sie hätten mich „gepachtet“, und darum bräuchte es keinen weiteren Weg mehr zu gehen, sondern nur beisammenzuhalten, was sie haben.«

 

»Aber einige Leute gehen, nachdem sie zur Gemeinde gekommen sind, an die Zäune und Grenzen des Gemeindeeinflusses, ihrer Aufsicht, Lehre oder was immer diese Zäune bildet und wollen darüber hinauskommen. Und du hilfst ihnen dabei! Ist das denn nicht, entschuldige, wenn ich das so sage, Jesus, „Rebellion“?«

 

Anpassung

 

»Die Gemeinde hält alles, was nicht sie bestimmt und kontrolliert für Rebellion«, antwortet Jesus. »Da sie mich aber in der Regel nach ihren Bestimmungen und Veranlassungen nicht fragt, weicht sie von mir ab. Wer wirklich nach mir fragt, auf mich hört und mir folgt, wird häufig ein „Gemeinderebell“. Sein Gehorsam mir gegenüber führt zum Ungehorsam der geschriebenen und ungeschriebenen Gemeindeordnung und offiziellen und inoffiziellen Gemeindeleitung gegenüber.

 

Es ist die Situation von David, als er gegen Goliath kämpfte und Saul ihm seine eigene Rüstung anlegen wollte, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass es anders gehen könnte, gegen den Riesen anzukommen. Doch David legte die Rüstung Sauls, die ihn schwerfällig machte, wieder ab, sammelte sich ein paar Steine für seine Schleuder und siegte wegen seiner ungleich größeren Beweglichkeit und unkonventionellen Strategie. Für die „Professionellen“ war das einfach nur „verrückt“, und sie blieben natürlich bei ihrer eigenen Methodik, die zwar nutzlos war, aber „alt und erprobt“. So läuft es auch heute. Männer haben eine Inspi-ration, einen Traum, eine Führung von mir, die aber nicht in die Tradition und Methoden der Gemeinde passt. Dann müssen sie sich anpassen oder gehen. Die Mehrheit der Männer verlässt in dieser Situation die Nachfolge hinter mir her und versucht es mit der Anpassung an die Gemeinde.

 

Es ist immer eine schwierige Entscheidung, von der Routine und den Vorschriften abzuweichen, aber niemand, der mir folgt, kommt darum herum. Ich erspare meinen Jüngern diese Entscheidungen nicht; diese zeigen ja erst, ob sie tatsächlich meine Jünger sind, oder ob sie mich billig ans System verkaufen. Aus diesem Grund gibt es heute nur so wenige Davids. Diese sammle ich in der Wüste. Die Saul-mäßige Gemeinde kann mit ihnen nichts anfangen und will sie „korrigieren“.«

 

»Aber es gibt doch auch wirklich viel unreifes und rebellisches Verhalten von Gemeindegliedern. Ich habe davon jedenfalls so einiges erlebt und erlitten!«

 

»Das gibt es«, antwortet Jesus, »und die Gemeinde braucht Unterscheidung, was was ist. Hat sie aber nicht. Sie sucht nicht Männer, die nach meinem Herzen sind, sondern Männer, die nach ihrem Herzen sind, also Anpasser. Dies provoziert geradezu Konflikte, denn Männer rebellieren natürlicherweise gegen rigide Systeme, die sie für ihre Statistik, Finanzierung und ihren Machterhalt benutzen wollen. Darüber hinaus ist eure Kultur an einem Punkt angelangt, wo Männer auch in der Kirche Konkurrenten und Konsumenten sind und nicht Brüder und Diener. Wenn die Mentalität eurer Kultur auf die Kultur des Reiches Gottes trifft, treffen da Welten aufeinander, die sehr unterschiedlich sind. Die Frage ist, welche Welt die andere assimiliert. In der modernen Gemeinde hat die Kultur der Welt viel mehr Einfluss als das Reich Gottes. Die Kirche verdrängt das Reich Gottes bzw. versucht, es sich anzupassen und nicht umgekehrt, ihm zu entsprechen.

 

Männer stehen vor der Herausforderung, sich – nachdem sie sich zu mir bekehrt haben – zur Gemeinde zu bekehren. An sich ist das auch richtig. Wenn die Gemeinde aber einen anderen Weg geht als ich, was häufig der Fall ist, wird es einen Mann in anhaltende Konflikte stürzen; er muss dann eine Entscheidung treffen, die er eigentlich nicht treffen sollen müsste. Er kann sich auf Dauer nur in dem Maß auf die Gemeinde einlassen, in dem sie mir folgt bzw. den Mitgliedern gestattet, mir zu folgen. Er muss sehr wachsam sein. Wie du hier siehst, ziehen Gemeinden Zäune und bauen keine Straßen, sie wollen abgrenzen und nicht verbinden, sitzen und nicht gehen, verwalten und nicht entfesseln. Ich aber tue das Gegenteil.«

 

Was Jesus da sagt, ist wie immer schockierend und atemberaubend revolutionär. Jedesmal, wenn er solche Dinge redet, frage ich mich, wie wir als christliche Gemeinden eigentlich dazu gekommen sind, das „Geschäft” so zu betreiben, wie wir es eben tun und was wir davon haben. Mir ist die Antwort einerseits schon klar, aber dennoch ... Sicher, es gibt da eine lange Geschichte und Tradition, die die Gestalt der Gemeinde durch die Jahrhunderte hindurch geformt und ihr Verhalten genormt hat. Davon abzuweichen, ist schwer und kommt einem „Sakrileg” gleich. Alle Gemeinden, die ich kenne, wollen ihre Tradition nicht überwinden, sondern perfektionieren.

 

Dann gibt es natürlich auch eine ebenso durch lange Zeit gewachsene Theologie, die mit der Nachfolge Jesu nichts zu tun hat, sondern eine ganz eigentümliche Art und Lehre kultiviert und die Gemeinde in einen Hörsaal verwandelt hat, der unendlich viel Wissen weitergibt, aber nicht den Heiligen Geist. Der moderne Vortragsstil der Kirche hat mit neutestamentlicher Predigt und Jüngerschaft nichts zu tun und ist aus den Evangelien sicherlich nicht abzuleiten, ohne ihnen Gewalt anzutun. Es geht heute mehrheitlich um eloquent vorgetragene Psychologie, Pädagogik und Ethik, um religiöse Diskurse, Exegese und Bibel-kunde – aber nicht um Jesus-Nachfolge. Wenn sie nicht das ganze Bildungs-programm der Gemeinde absolviert haben, meinen die Gläubigen, sie seien nicht befähigt, Jesus überhaupt zu erkennen, und müssten immer noch mehr lernen und wissen, studieren und sich weiterbilden. Zur konkreten Nachfolge kommt es dann nicht mehr.

 

Jesus bildete Jünger aus, wir hingegen informieren und unterhalten mit unseren Veranstaltungen Auditorien voller Hörer und Besucher. Wenn sie nur zahlreich kommen und auch noch etwas in die Kollekte tun, fühlen wir uns als „erfolgreiche” Gemeinde. Nur mit Jüngerschaft und Nachfolge hat dieser „Erfolg” nichts zu tun – auch mit dem wirklichen Leben nicht. Dort aber befindet sich Jesus.

 

Dämonen

 

Nachdem ich Jesus eine Zeit lang bei seinem „Befreiungsdienst” begleitet habe, fällt mir auf, dass wir nur Männer aus den Zäunen retten. Das ist seltsam. »Ich sehe hier nur Männer, sage ich verwundert zu Jesus, »wo doch eigentlich die Frauen die viel zahlreicheren Kirchenbesucher und auch häufigeren Überwinder sind.«

 

»Ich lasse dich die Männer sehen, weil sie deine Aufgabe sind«, erwidert Jesus, »darum siehst du nur sie. Sonst würdest du dort an den Zäunen auch Frauen und Kinder sehen, die überwinden, ja, ganze Familien, die „flüchten“. Du aber musst die Männer sehen, sie ermutigen und mit mir Umzäunungen für sie niederreißen. Du selbst kannst keinen Zaun wegheben, aber ich. Ich tue es, und du musst bei mir sein – ich in dir und du in mir -, so dass es in meinem Namen du bist, der sie befreit. Sie werden dich verwundert anschauen, da sie mit keiner Hilfe von der anderen Seite der Grenze gerechnet haben und sich auch nicht wenig gefürchtet haben, was sie dort wohl erwarten wird.«

 

Ich sehe jetzt, wie ein paar befreite Männer außerhalb der Umzäunung aufein-andertreffen und sprachlos sind vor Erstaunen, sich hier zu finden. Hier sind sie schlagartig wirklich „Brüder“, geeint darin, befreit von Jesus auf einem gemein-samen Weg unterwegs zu sein zu einem gemeinsamen Ziel. Und es handelt sich hierbei wirklich um das ganz persönliche Ziel jedes Einzelnen, nicht ein durch die Gemeinde, Theologie o. Ä. allgemein vorgegebenes. Engel dienen den Männern und ermuntern sie, weiterzugehen. Die Engel haben eine Menge zu tun! Erneut bin ich erstaunt, wie viele von ihnen doch wie viel Arbeit haben mit den „Erlösten“, um sie – wie einst den Propheten Elia, der 40 Tage durch die Wüste zum Berg Gottes laufen musste – auf dem Wege zu stärken und zu begleiten.

 

Bei manchen Gemeinden sehe ich, dass ihre Zäune sich überschneiden. Es gibt große Flächen, die nur noch „Zaun“ sind. Es ist ein grotesker Anblick, eine ganze Wiese, die eigentlich von einem Zaun umgeben sein sollte, voller Zäune zu sehen, so dass niemand sich dort mehr aufhalten kann.

 

»Viele Kirchen und Gemeinden sind sehr emsig darin gewesen, Zäune zu bauen, wie du sehen kannst!«, meint Jesus zu mir. »Es ist die Situation eingetreten, dass weder leicht zu ihnen hin- noch wieder leicht von ihnen wegzukommen ist. Bei manchen Gemeinden haben es Männer schwerer als bei anderen, die Hürden zu überwinden. Einige sind weniger stark befestigt als andere.«

 

Im Hof einer Kirche sehe ich Männer und Dämonen Hand in Hand an der Erstellung neuer Zäune arbeiten. Sie arbeiten gut und haben ein sehr stabiles Teil gezimmert. Sie sehen sehr zufrieden mit ihrer Arbeit aus. »Au weia!«, denke ich, das verschärft die Sachlage noch mal erheblich. Die Dämonen unterstützen also die Grenzziehungen der Kirche nach Kräften – und ihr Werk wird von der Gemeinde nicht als teuflisch erkannt. Ich erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren in einer Gemeinde war, die viele Feindbilder gegenüber anderen Gemeinden und christlichen Strömungen hatte. Die anderen wurden geradezu verteufelt und jeglicher Kontakt zu ihnen war ein Tabu-Bruch, eine Verunreinigung und ein Verrat. Die Feindbilder hatten eine einende Wirkung auf die Gemeinde nach dem Motto: „Wir gegen den Rest der Welt!“ Vielen anderen Kirchen wurde die blanke Irrlehre und jede Form von Missbrauch unterstellt – nur der eigenen nicht. Man wollte nichts mit ihnen zu tun haben und legte die entsprchenden „Anti-Bücher“ auf dem Büchertisch der Gemeinde aus. Viel Energie floss in diese Abgrenzungs-arbeit.

 

»Aber es gibt doch auch gesunde und richtige Zäune, oder?«, frage ich Jesus.

 

»Es gibt sie, aber sie sehen ganz anders aus als diese. Sie sind leicht und gut zu versetzen, wie du das schon bei manchen Weiden gesehen hast. Da sind nur Stöcke, die durch ein Band verbunden sind. Denn die wahre Gemeinde zieht immer weiter. Ihre Grenzen sind nicht festzementiert und sie „fängt“ keine Leute, die dann in ihrem Territorium festgehalten und „eingepfercht“ werden. Ihr habt in der Vergangenheit das Wort „Gemeindebewegung“ falsch verstanden. Ihr habt die Bewegung in Wahrheit immer und immer wieder aufgehalten, anstatt mit ihr zu gehen und sie zu verstärken. Ihr meintet, es gehe um Lehren, Konzepte und Methoden, aber in Wirklichkeit geht es um das Leben und seine Dynamik. ICH bin keine Lehre, kein Konzept und keine Methode, nicht wahr? Ich bin der Auferstandene und LEBENDIGE, und meine Mission besteht darin, die Toten lebendig zu machen. Ich sage: Ihr sollt leben!

 

Aber ihr habt stattdessen Zäune gebaut, verteidigt eure kleine Gemeindeburg und verliert die Dynamik des Lebens, indem ihr alles festlegt, festpredigt und vorschreibt. So könnt ihr den Berg Gottes, den Horeb, nie erreichen. Elia musste dafür laufen, nicht liegen (vgl. 1. Könige 19). Unter seinem Ginsterstrauch hätte Isebel ihn schon bald gefunden und ihm dann – gerissen wie sie war – sein Leben gelassen, aber für ihre Zwecke eingefordert. Auch ihr nun müsst laufen, um Isebel zu entgehen und den Ort der Begegnung mit Gott zu erreichen, alles andere ist zu wenig und bringt keine Änderung der Verhältnisse. ICH bin die Veränderung. ICH bin der Weg zum Berg der Bewegung, wo Männer Männer werden – Söhne Gottes, die in seinem Namen zu handeln wissen und das Land befreien, Männer ohne Furcht.«

 

Engel

 

Jesus fährt seine revolutionäre Rede fort, und ich sauge jedes einzelne Wort auf, weil mich das „Schicksal“ der Männer und ihre Befreiung wirklich sehr interes-sieren:

 

»Du fragst dich immer wieder, wie du Männer auf einen Weg senden kannst, auf dem sie sich gar nicht auskennen und vielleicht irregehen oder gar umkommen. Du musst mit den Engeln rechnen! Elia hatte auf sich selbst gestellt tatsächlich keine Chance, den Weg, den er durch die Wüste zu gehen hatte, zu bewältigen. Er warf sich verzweifelt unter den Ginsterstrauch und war am Aufgeben. Aber die Engel ließen das nicht zu. Höre die Geschichte! Sie stießen ihn an, sie weckten ihn auf, sie gaben ihm zu essen und zu trinken. Und nicht nur einmal taten sie es, sondern bis er aufstand und ging.

 

Wenn du nur auf die menschliche Seite des Unternehmens blickst, siehst du so wenig Hoffnung auf Gelingen wie Elia unter dem Ginsterstrauch. Du hast das gleiche Gefühl der ohnmächtigen Unterlegenheit, welches allen Männern zu schaffen macht. Die Aufgabe sieht sinnlos und unmöglich aus – was sie menschlich gesehen ja auch ist. Denn dieser Weg ist ja endlich Gottes Weg, auf ihm geht keiner in eigener Kraft oder Klugheit, dort gehen ja Kinder Gottes! Der Weg heißt Vertrauen und nicht „Ich weiß schon alles!“

 

Die Kirche will im Großen und Ganzen immer noch den Weg der Erkenntnis gehen und nicht den des Vertrauens. Immer noch nehmen und essen sie die Frucht der Erkenntnis, weil sie süchtig nach Einsicht sind. Der Sündenfall wird unentwegt wiederholt. ICH aber bin der Baum des Lebens, und wer von mir isst, wird ewig leben. Das Leben ist nicht in Erkenntnis, aber Erkenntnis im Leben. Es handelt sich jedoch um eine Erkenntnis aus Vertrauen und nicht aus Misstrauen.

 

Du darfst in meinem Namen zu den Männern sprechen – so, als wären es Freie. In deinem Denken ist immer die Rücksicht auf die Gemeinde, zu der sie gehören, als wären sie deren Eigentum und in ihrer Verfügung. Dem ist aber nicht so, kein Mensch gehört einer Gemeinde. Die Menschen sind ja meine Gemeinde! Jeder gehört mir und hat sowohl die Freiheit als auch die Aufgabe, mir zu folgen, dafür habe ich bezahlt. Ein Mann ist seinem eigenen Herzen – seinem Gewissen und seiner „inneren Stimme“ – verpflichtet, nicht einer Organisation, die ihn einzäunt und überwacht. Die Ordnung des Weges ist anders als die Ordnung der Versammlung. Auf dem Weg geschieht alles im Gehen; in der Versammlung setzt man sich hin – und viele stehen nie wieder auf.«

 

»Über diese „Ordnung des Weges“ würde ich gerne mehr verstehen«, sage ich zu Jesus. »Es ist ja so, wie du sagst. Wir haben in der Gemeinde so lange das Sitzen kultiviert, dass wir über das Gehen nicht mehr viel wissen. Dabei muss ich gerade an den Briefwechsel mit jenem Bruder denken, der mir vor kurzem seinen Traum erzählte und den ich motivierte, dich tiefer nach allen Einzelheiten des Traumes zu fragen. Es ging in seinem Traum nämlich um einen Weg, der zu gehen war. Der musste erkämpft und verwandelt werden von einem menschlich-christlich-dämonischen Chaos in eine Klarheit und ... einen gebahnten Weg eben. Das Chaos wurde von ihm zu einem Weg gemacht, so würde ich es sagen. Damit wären wir ja dann beim Anfang der Schöpfung angelangt, wo du Ordnung aus dem Chaos schufst, Jesus. Der Bruder benutzte in seiner Beschreibung sogar das Wort „Tohuwabohu“. Ich empfand es als eine „männliche“ Aufgabe, diesen Weg zu erkämpfen, und das muss wohl jeder tun, nicht wahr?«

 

Unterscheidung

 

»Der Bruder muss lernen zu unterscheiden, was menschlich, was heilig und was dämonisch ist. Und richtig: Jeder muss das lernen und seine Sinne in dieser Hinsicht schärfen. Das geschieht vor allem im Gebet und der ständigen, betenden Auseinandersetzung mit all den Gegebenheiten des Lebens. Viele Christen fragen auch nach Jahren noch immer verzweifelt, was denn menschlichen, was gött-lichen und was teuflischen Ursprungs ist; sie sind chronisch verwirrt und darum kampfunfähig.

 

Den richtigen Weg zu gehen, besteht zunächst darin, die richtigen Fragen zu stellen. Die Gemeinde muss den Neuen beibringen, die richtigen Fragen zu stellen, stattdessen predigt sie sie mit vorgefertigten Antworten zu. Viele dieser Antworten entsprechen aber nicht den sehr unterschiedlichen Positionen und Aufgaben all der unterschiedlichen Menschen, sondern sind schablonenhaft. Die Gemeinde versucht, das Maß an Unterschiedlichkeit ständig zu minimieren und einseitige Antworten auf vielschichtige Situationen zu geben.

 

Darüber hinaus muss die Gemeinde Menschen etwas über den Kampf, in dem sie stehen, und die Rüstung, die sie dafür tragen müssen (vgl. Epheser 6:10f.), beibringen – von Anfang an. Die Anfänger sind ja glücklicherweise und normaler-weise noch motiviert, sie wollen lernen, sie wollen üben, sie wollen sich auf die Sache einlassen. Wenn die Gemeinde ihnen allerdings nur fertige Konzepte und Lehren vorlegt, verlieren sie ihren Eifer und gewöhnen sich daran, den Weg der Gemeinde zu gehen und ihren eigenen darüber zu vergessen und aus den Augen zu verlieren. Dann funktioniert gar nichts mehr, und sie frieren in ihrer Dynamik ein. Sie verstehen allerdings nicht, warum sie müde und unmotiviert werden, weil sie meinen, doch das Richtige zu tun. Sie geraten in den fatalen Zustand, dass sie nicht mehr fragen, nicht mehr weitergehen, nicht mehr kämpfen, sondern mit der stehen gebliebenen Gemeinde stehen bleiben. Ihre Unterscheidungsfähigkeit ist unzureichend, und das Wachstum vollzieht sich im Schneckentempo oder kommt ganz zum Erliegen. Leider kommt die „normale“ Gemeinde mit jenen, die stillstehen, am besten zurecht, da sie berechenbar, gut zu kontrollieren und zu verwalten sind. Mit Menschen, die unterwegs sind, verhält sich das ganz anders. Sie passen nicht in das Konzept einer Kirche, die auf Wiederholung und Erhalt angelegt ist, statt auf Überwindung, Bewegung und Wachstum.«

 

Bei diesen Worten Jesu fällt mir ein Zitat von Erich Fromm ein:

 

„Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, die immer mehr konsumieren wollen, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflusst werden kann. Er braucht Menschen, die sich frei und unabhängig vorkommen und meinen, für sie gebe es keine Autorität, keine Prinzipien und kein Gewissen – und die trotzdem bereit sind, sich kommandieren zu lassen, zu tun, was man von ihnen erwartet und sich reibungslos in die Gesellschaftsmaschinerie einzufügen; Menschen, die sich führen lassen, ohne dass man Gewalt anwenden müsste, die sich ohne Führer führen lassen und kein eigentliches Ziel haben außer dem, den Erwartungen zu entsprechen, in Bewegung zu bleiben, zu funktionieren und voranzukommen.“

 

Wie seltsam genau dieses Prinzip des „modernen Kapitalismus“ auf die heutige Gemeinde zu übertragen ist, fällt doch auf. Die Männer sollen eben nach dieser Prämisse ins „fromme Getriebe“ integriert werden, sich dabei frei fühlen, ohne frei zu sein, und durch ihre bemühte Anpassung glänzen.

 

Reife

 

Jesus fährt in seiner Rede fort: »Da du nun in meinem und nicht im Gemeinde-dienst stehst, kannst du unbesorgt tun, was ich dir sage. Du bist keiner Organi-sation, sondern mir verpflichtet – und den Männern, denen geholfen werden muss, ihren Weg zu gehen, durch die Wahrheit frei und lebendig zu werden und bis zur „vollen Mannesreife“ (Epheser 4:13) zu wachsen. Die Idee des „guten Gemeindebesuchers“ und das Konzept des „reifen Mannes“ in Christus sind nicht in Übereinklang zu bringen; es sind zwei gänzlich miteinander unvereinbare Entwürfe. Bei der Vorstellung, die die Gemeinde gemeinhin von einem „guten Christen“ und „ordentlichen Gemeindemitglied“ hat, können Reife und Mündigkeit niemals herauskommen. Da die Kirche mich durch sich selbst ersetzt und Menschen lehrt, nicht mir, sondern ihr zu folgen, indem sie das einfach gleichsetzt, können dabei niemals „Jünger Jesu“ herauskommen, sondern nur „Jünger der Kirche“.

 

Die Gemeinde bezieht alles – so auch die Jüngerschaft – auf sich selbst und nicht auf mich. Wahre Jüngerschaft drückt sich für sie also in einem devoten Verhältnis ihrer Mitglieder zu ihr selbst aus. Ich werde lediglich dazu hergenommen, diesen Anspruch zu rechtfertigen und den Leuten bitteschön zu helfen, „gute“ Jünger der Kirche zu werden. Die Verdrehung der Verhältnisse wird der Gemeinde nicht bewusst, da sie keinen Abstand zu sich selbst nehmen kann, um ihr eigenes Wesen und Handeln zu reflektieren und so seine Absurdität und Anmaßung zu erkennen. Die neutestamentlichen Gebete werden konsequent nicht gebetet – außer das „Vaterunser“, aber dies ist so abgedroschen, dass es niemanden mehr aus seinem Schlaf aufweckt. Wirkliches Beten und ein Gebet „aufsagen“ ist etwas sehr Unterschiedliches. Männer müssen trainiert werden, diese Unterschiede wahrzunehmen.«

 

Gemachte Gemeinde

 

Ich bin durch die Worte Jesu erschüttert und verwirrt. Ich suche nach Worten, um meine vielen Fragen zu formulieren. Schließlich kommt ein etwas komplizierter Satz dabei heraus: »Aber wenn die Menschen selbst die Gemeinde sind und gar nicht zu einer Gemeinde gehen, was ist dann diese Gemeinde, zu der sie gehen, die sie aber nicht sind, eigentlich? Was ist diese Organisation, und woher bezieht sie ihre immense Kraft, zu binden und zu behalten?«

 

Jesus legt eine Hand auf meine Schulter, was mir zeigt, dass dies eine gute Frage ist und jetzt sehr wichtige Dinge folgen werden, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordern:

 

»Dies sind wesentliche Fragen, und ihre Antworten sind schockierend und sie werden vielen in den Ohren gellen, so dass sie sie verschließen, wie sie auch ihre Augen verschließen vor der Wahrheit, damit sie nur nicht frei werden, sondern ihr gewohntes „Spiel“ weiter spielen können, wie seit Jahrtausenden schon. Erkenne darin eine der Wurzeln ihrer Gestalt und Macht: ihr Alter. Da ist eine gewachsene Historie – und wie viele Menschen haben durch ihren Gehorsam und das Opfer ihres Lebens das „fromme“ System durch die Zeitalter hin gestützt und genährt! In ihren Blütetagen kam sein Verlangen nach Blut ungezügelt zum Vorschein. Menschen waren völlig egal, Dissidenten wurden mit Freude getötet und auf grausame Weise gefoltert zur Abschreckung derer, die wagten, nach Freiheit jenseits ihres Zugriffs zu fragen.

 

Dann denke an das Geld und den Besitz, den die Kirche sich angeeignet hat! Dies ist eine andere Wurzel ihrer Macht. Wer auf Erden ist so reich wie die Kirche? Ihre Güter sind unschätzbar und viele davon unrechtmäßig angeeignet. Die ganze Welt ist übersät mit ihren Prestigeobjekten.

 

Eine weitere Wurzel ist ihre Zusammenarbeit mit den Dämonen, wie du ja in dem Hof gesehen hast. Die Kirche kämpft häufig nicht gegen den Feind, sondern paktiert sogar mit ihm. Wie viel Okkultes in den Grundfesten und der Geschichte der Kirche steckt, ist für jeden, der hinschaut, unübersehbar und unfassbar. Schreine voller Knochen stehen in den Kathedralen, und so hat der Tod das Sagen.«

 

»Wenn ich hier gerade einmal unterbrechen darf, werfe ich ein«, »gilt denn das nur für die katholische Kirche oder auch für die anderen? In den Freikirchen z. B. gibt es doch sicher keinen vergleichbaren Okkultismus, oder?«

 

»Durch die Reformationen hat man sich vom Erbe der alten Kirche losgerissen – schwer war der Kampf und heftig der Zorn des Systems! –, und doch neigen alle Kirchen dazu, zu den alten Gewohnheiten zurückzukehren. Da werden wieder andere Dinge als ich ins Zentrum der Gemeinden gerückt. Da wird etwa die Bibel in einer Weise verherrlicht, die nicht ihr, sondern mir zukommt und die mich durch Gesetzlichkeit ersetzt. Da wird das Abendmahl in magischer Weise zele-briert, die mir gar nicht entspricht und die Leute an ein Ritual bindet. Ähnliches findet sich im Taufritual, Gottesdienstritual, Klerusgebahren, Brauchtum von Weihnachten, Pfingsten, Ostern, Kirchenjahr usw.

 

Auch die Freikirchen haben nicht die Freiheit, mir zu folgen, sondern drehen sich um sich selbst und ihr Programm, verwalten ihre Sakramentalien (die sie nur anders benennen) und Mitglieder, errichten Prestigeobjekte und suchen das Gefallen der Welt mehr als das meine. Ihre Identität ist immer noch nicht in mir, sondern in ihrer Tradition, Auslegung, ihren Pastoren, Gebäuden, ihrer Geschich-te und allem anderen eigenen. Ich soll das alles bedienen. Auch für sie ist „Jesus dienen“ gleich „der Kirche dienen“, darum ist sie immer noch genau wie die alte Kirche eine „Kirche der Anmaßung und Hurerei“. Mich den Herrn sein zu lassen, kommt gar nicht in Frage. Sieh nur, wie alle Ressourcen für ihren Selbsterhalt gefressen werden. Nach wie vor werden Menschen nicht befreit, mir zu folgen, sondern ausgebeutet für die eigenen Zwecke. All dies wird leider kaum bemerkt, der Schleier der Dämonie liegt auf allen Augen, weil nach ihrer Pfeife getanzt wird.

 

Jeder, der es ernst nimmt mit der Nachfolge von mir,

wird mit allen Kirchen in Konflikt geraten,

denn nicht sie sind die Kirche, sondern alle, die mir folgen.

 

Nicht eine Organisation macht sie zur Kirche, sondern mir zu folgen macht sie dazu. Sobald eine Organisation sich „Kirche“ nennt, ist es Götzendienst. Sie sagen, sie tun es, um den Leuten eine Orientierung zu geben, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Immer geht es um eigene Position, Macht, Einfluss und Bedeu-tung.«

 

»Manche Gemeinden haben es tatsächlich aufgegeben, sich Gemeinde zu nen-nen«, bemerke ich an dieser Stelle. »Sie nennen sich jetzt zum Beispiel „Oase“ oder „Quelle“ oder „Gemeinschaft des Aufbruchs“.«

 

»Aber im Wesentlichen ist alles gleich«, beharrt Jesus. »Sie können einfach nicht anders denken als in hierarchischen Strukturen, behördenartigen Institutionen, ideologischen Formeln und programmatischen Konzepten. Hier zeigt sich die Macht des Okkulten mitten in der „Kirche“, die ja per Definition keine ist. Nur sieht das Böse gar nicht böse aus.«

 

Nachfolge

 

Die Worte Jesu sind entsetzlich und niederschmetternd – aber auch befreiend. Ich weiß aus eigener Erfahrung genau, dass viele gute Leute in den Gemeinden arbeiten und ihr Bestes versuchen. Es geht nicht darum, sie zu verurteilen, nein, es geht darum, ihre Augen zu öffnen, damit sie sehen, was sie da eigentlich tun und was mit ihnen geschieht.

 

»Wie soll das denn alles nur richtig funktionieren?!«, rufe ich mit etwas Verzweif-lung in der Stimme aus, da auch ich mir kaum etwas anderes als das Gehabte vorstellen kann.

 

 

»Nun, kurz gesagt: „Komm, folge mir nach!“«, antwortet Jesus lächelnd. »Nicht die Kirche bestimmt die Nachfolge, sondern die Nachfolge die Kirche. Vieles ist falsch herum aufgezäumt. Darum gibt es keinen Fortschritt, nur die ewige Wiederholung des immer gleichen, fruchtlosen Kreislaufes. Die Kirche in der jetzigen Form kann mir nicht folgen, sie ist dafür viel zu eigen. Sie besteht nicht aus Jüngern, sondern aus Besuchern. Die wollen vom Gottesdienst „auferbaut“ werden, ihre Freunde treffen, für die kommende Woche Kraft tanken oder ihre christliche Sonntags-Pflicht erfüllen usw., aber mir folgen?

 

Wäre ihr einziges Verlangen, mich zu kennen und mit mir eins zu werden, wären die Gläubigen die Braut. So aber sind sie die Hure, die vieles und alles will, aber in allem  nur sich selbst. „Ich und sonst gar nichts!“, ist das Wesen des Teufels, und dieses herrscht in der Gemeinde, die aber, wie ich dir sagte, gar nicht die wirkliche Gemeinde ist.«

 

»Deine Gemeinde sind alle die, die hier auf dem Weg sind?«, frage ich nach, um ganz sicherzugehen, tatsächlich verstanden zu haben.

 

»Meine Gemeinde sind alle die, die mir folgen – wirklich MIR«, wiederholt Jesus. »Es verhält sich häufig so: Leute bekehren sich zu mir, dann tritt die Gemeinde dazwischen und sagt: „Du hast dich bekehrt? Gut! Dann komm jetzt zu mir und richte dich nach mir ...“ Kaum haben Menschen sich an mich gewandt, mischt die Kirche sich also ein und bringt die Leute dazu, nun ihr zu folgen und mich mit der Zeit aus den Augen zu verlieren. Diese Neigung der Pseudo-Kirche, mich durch sich selbst zu ersetzen, ist sowohl historisch wie global, und darum ist den Menschen nicht mehr bewusst, was sie da eigentlich tun. Das macht die Beur-teilung für euch so schwierig.

 

Du musst es immer vor Augen haben: die wahre Kirche ist nicht eine Institution und Organisation, sondern Menschen, die mir folgen. Es gibt keine Organisation, die von mir legitimiert Kirche heißt. Sollten Menschen sich für bestimmte Aufgaben zusammentun und eine Organisation gründen, dann geht es um einen Dienst – das ist keine Kirche. Kirche sind Menschen, die mir gehören und mir folgen. Sie dürfen nicht in das Korsett einer festgeschriebenen Vereinigung gesteckt werden, denn ich bin kein e. V.

 

Die Aussage „eine Gemeinde gründen“ ist irreführend. Niemand kann eine Gemeinde gründen. Ich habe sie einmal für immer begründet. Man kann Organisationen gründen, aber nicht die Gemeinde. Man kann Dienste gründen, aber nicht die Kirche. Christen können sich treffen, einen Vortrag hören und Gemeinschaft haben, aber dieses Treffen ist nicht „die Gemeinde“. Sie sind die Gemeinde. Aber nur dann ist dieses Treffen ein wirkliches Gemeindetreffen, wenn es sich um Leute handelt, die mir nachfolgen. Dann versammeln sie sich tatsächlich in meinem Namen – nur dann.

 

Was heute alles angeblich in meinem Namen abgehalten wird, ist himmel-schreiend und pervers. Wenn einer am Sonntag in einen Gottesdienst geht, weil ich ihn dorthin gesandt habe, dann ist er in meinem Namen, das heißt in meinem Auftrag, dort. Er ist nicht aus einer Pflicht, einer Tradition, einer Club-Mitglied-schaft oder was auch immer dort, sondern wegen mir. Sobald es um etwas anderes geht, ist es Sünde, denn Abweichung von mir ist Sünde.

 

Zu Anfang haben alle Christen eines Ortes, die damals im Gegensatz zu heute tatsächlich noch mehrheitlich Nachfolger waren, die Gemeinde des Ortes gebildet. Da gab es keine rechtlichen oder geschäftlichen Formen, keinen Verwaltungs-apparat, weder Klerus noch Laien noch sakrale Gebäude oder Ähnliches. Man traf sich hin und her in den Häusern. Da die wahre Gemeinde ja Menschen „ist“, vollzieht sich ihr Leben eben dort, wo die Menschen leben: zu Hause.

 

Die „Kirche“ in ein extra Gebäude zu verlegen, ist verkehrt und abwegig.

 

Wenn Christen sich aus von mir bestimmten Gründen auch einmal in einer Halle treffen, ist das nicht die Kirche. Sie sind die Kirche. Wo immer sie leben, geschieht Kirche. Kirche bedeutet: „mir folgen“. Als die Jünger mit mir durchs Land zogen, waren sie Kirche. Da gab es keine Gebäude, Rituale und regelmäßigen Veranstal-tungen. Kirche war „bei mir sein“. Das wirkliche Abendmahl damals war die Feier der Zusammengehörigkeit mit mir. Darin liegt die Seligkeit – in der Zusammen-gehörigkeit. Wer wirklich mir begegnet und mit mir geht, wird selig.

 

Die Pseudokirche kann niemanden selig machen.

Und einen Seligen kann sie auch nicht ertragen,

weil er zu unabhängig von ihr ist.«

 

 

Gottes Reich oder Menschenreich

 

Die Worte Jesu erschüttern meine ganze Vorstellung von Gemeinde bis in die Grundfesten. Auch ich bin völlig geprägt von einem Verständnis, dass Kirchen Organisationen sind, Verbände von Gemeinden, die alle mehr oder minder gleich funktionieren nach vorgegegebenen Statuten, Satzungen und Ordnungen. Deren Veranstaltungen besucht man und deren „Vereinen“ schließt man sich an, ordnet sich den „Zuständigen“ unter, zahlt die verlangte Gebühr, und alles ist klar. »Die Situation ist aber wirklich schrecklich verfahren«, entfährt es mir. »Wenn ich einer Gemeinde sagen würde, sie ist gar keine, würde sie mich wahrscheinlich als irre bezeichnen oder steinigen!«

 

»Und mich hat sie gekreuzigt«antwortet Jesus ernst.

»Vergiss nicht, es waren die Frommen und ihre Synagoge,

die mich dringend loswerden wollten.

Die „Zöllner und Huren“ waren es nicht.

Meine Mörder waren die „Guten“ und nicht die „Bösen“.

 

Darin siehst du die Verdrehung. Die Guten waren in Wahrheit die Bösen und die Bösen in Wahrheit die Guten. Du wirst diese Verdrehung immer und überall finden, sie ist das Kennzeichen der Sünde und des Teufels, der der „Durchein-anderwerfer“ ist.

 

So wie ich es dir heute und hier zeige, reiße ich überall die Zäune nieder, um Menschen zu ermöglichen, zu mir zu kommen und mir zu folgen. Mir ist es dabei gleichgültig, ob es sich um politische, ideologische oder kirchliche Grenzen handelt. Es geht immer um Menschen, die dem System zu entkommen versuchen, die mit dem Kopf gegen die Wände rennen und mit den Fäusten an die ver-schlossenen Türen schlagen. Es sind Menschen, die mich unbedingt haben wollen, die ohne mich nicht leben können; Menschen, die alles mit mir besprechen und mich tatsächlich den sein lassen, der ich bin. Sie gehören keiner so genannten Gemeinde und Kirche, denn sie gehören ja mir. Sie gehen möglicherweise in meinem Namen zu einer Versammlung oder auch nicht.

 

Sie sind nicht daran gebunden,

was die institutionalisierte Gemeinde

als unerträgliche Unverbindlichkeit empfindet.

 

Und ja, es gibt Menschen, die unerträglich unverbindlich sind, und das ist Unreife. Wer aber mir folgt, kann sich nicht „verbindlich“ einer Gemeinde an-schließen. Er ist immer wie auf Abruf da und kann keine Regelmäßigkeit garan-tieren, denn ich könnte jederzeit aufbrechen und weitergehen – und dann gehen die, die mir gehören und dienen, selbstverständlich mit. Dennoch sind sie nicht unverbindlich im Sinne von verantwortungslos und werden allen Geschwistern Liebe und Respekt erweisen.

 

Aber weder bauen sie auf eine Gemeinde,

noch kann die Gemeinde auf sie bauen.

Die wahre Gemeinde baut ausschließlich auf mich,

und ich bilde ihre Beziehungen untereinander ganz anders,

als die Welt und ihre Kirche sie organisiert.

 

Wie völlig der Anspruch der Nachfolge ist, das habt ihr nicht begriffen. Wie sehr ein Mensch mit mir eins werden kann, das versteht ihr nicht. Mein Konzept von Kirche war: „Ich und der Vater sind eins.“ In diese lebendige und völlige Einheit einzutreten und in meinem Namen daran teilzuhaben und teilzunehmen, das ist Kirche. Institutionen sind nicht Kirche und können es ja gar nicht sein, auch wenn sie sich tausend Jahre lang so nennen.

 

Geld

 

Wenn du einem dieser Männer sagst: „Komm, folge Jesus nach!“, dann bist du schon im Konflikt mit dem System, welches verlangt, dass man ihm, dem System, folgt, seine Veranstaltungen besucht und ihm den Zehnten bezahlt.

 

Gibt jemand der Pseudokirche seinen Zehnten,

anerkennt er sie als „wahre“ Kirche,

und schon hat sie die Kontrolle über ihn.

 

Geld spielt eine mächtige Rolle im System der Bindung von Menschen. Menschen werden – je nachdem, wie viel Geld sie geben – unterschiedlich behandelt. Wer nichts gibt, ist unwichtig, nur gut für die Statistik. Die Witwe, die zu meiner Zeit im Tempel zu Jerusalem zwei Groschen gab (vgl. Lukas 21:1-4), war in den Augen der Synagoge völlig unwichtig, auch wenn es alles war, was sie hatte und Gott sie segnete.

 

In der Pseudokirche sind Zahlen wichtig. Hat sie viel Geld, hält sie sich für gesegnet. Hat sie wenig Geld, sucht sie Schuldige und erhöht den Druck auf die Mitglieder. Mit dem Reich Gottes hat all dieses Gebaren nichts zu tun, sondern es kennzeichnet seine Abwesenheit.

 

Ich verlange kein Geld von Menschen, und in den Evangelien werdet ihr davon nichts finden. Das Reich Gottes finanziert sich selbst. Ich habe sehr viel über Geld und Habe gesprochen, aber nicht über den Zehnten zur Finanzierung eines Kirchenbetriebes. Auch sagte ich: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22:21). Da heute nicht nur der Kaiser, sondern auch die Kirche Steuern erhebt, ist es deutlich, auf wessen Seite sie steht. Würde eine Pseudokirche sich wirklich entschließen, wahre Kirche zu werden, würde sie sich sofort auflösen, und damit wäre ihre Nichtigkeit erwiesen.

 

Menschen, die mir folgen, werden auf dem Wege der Nachfolge Gemeinschaft, Erziehung, Austausch und Gebet haben, aber sie brauchen dafür kein Programm und keinen Betrieb.

 

Sie geben es einander untereinander.

 

„Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen“, habe ich gesagt (vgl.  Matthäus 18:20). Wo ich bin, da ereignet sich das Reich Gottes, da geschieht die wahre Kirche, die nicht in menschlicher Verfügung und Machbarkeit liegt. In einer solchen Verbundenheit in mir wird sich alles fin-den, was an Gemeinschaft, Gebet, Lehre und Beistand notwendig ist, es braucht dafür keine Organisation.

 

Miteinander gehen

 

Christen können allerdings je nachdem in einem organisierten Verhältnis zusam-menarbeiten – aber das ist eben ein Dienst und keine Kirche. Dienste brauchen Struktur und Festlegung, Finanzierung und Anweisung.

 

Aber Kirche ist kein Dienst, sondern Nachfolge.

Kirche ist „Jesus gehören“. Da geht es nicht um Struktur,

Festlegung, Finanzierung und Anweisungen,

sondern um „sich kennen“ und „Einswerden“.

 

Es ist ein Geheimnis. Es kann nicht standardisiert, normiert, verwaltet und geregelt werden wie ein Dienst. Keine Beziehung kann das. Es ist wie der Versuch, den Geist in die Flasche zu kriegen. Es ist wie der Versuch, Liebe, Frieden oder Freude zu machen und zu kontrollieren.

 

Gemachte und kontrollierte Liebe ist Pseudo.

Gemachter und kontrollierter Friede ist Pseudo.

Gemachte und kontrollierte Freude ist Pseudo.

 

Glaube, Hoffnung und Liebe sind Kennzeichen und Ausdrucksformen wahrer Beziehung. Dort, in Beziehungen, ereignen sie sich und werden erlebt. Produ-zieren und nach Belieben hervorrufen lassen sie sich nicht. Viele so genannte Kirchen sind freudlose Orte. Auch wirklichen Frieden und wahre Liebe findet man dort nicht. Dennoch halten solche Institute sich für eine Kirche. Weil sie „kirchliche Handlungen“ veranstalten, meinen sie, sie seien eine Kirche.

 

Stell dir vor, ein Mann und eine Frau kommen zu bestimmten Zeiten – etwa jeden Sonntagmorgen für eine oder zwei Stunden – zusammen, um eheliche Hand-lungen zu veranstalten. Wäre das eine Ehe? Ehe ist eine Beziehung und keine Veranstaltung, und sie ist immer, nicht nur zu bestimmten Zeiten. Es ist „einen gemeinsamen Weg gehen“. Aber viele versuchen, auch die Ehe zu institutionali-sieren und zu regeln. Sie verstehen nicht, warum das nicht funktioniert, obwohl es auf der Hand liegt. „Alles richtig machen“ ist keine Grundlage für eine Ehe. So ist auch „alles richtig machen“ keine Grundlage für eine Kirche. ICH bin die Grundlage – sowohl für die Ehe als auch für die Kirche. Beides ist Beziehung, in der es um Einswerden geht in der Kraft von Glauben (Vertrauen), Hoffnung und Liebe. Glaube, Hoffnung und Liebe kann man nicht veranstalten. Sie sind mächtige Kräfte, die Beziehungen als Gefäß brauchen, keine Veranstaltungen, in denen Menschen unterhalten oder belehrt werden.

 

Menschen können treu in die Kirche gehen – die ja keine ist, sondern sich nur so nennt – und werden sich wundern, dass dies nicht zu mehr Glauben, Hoffnung und Liebe führt. Sie können viel Bibelwissen erlangen und alles über christlich korrektes Benehmen gelernt haben und sich perfekt in die Gemeinde integrieren und können dennoch völlig einsam sein und weder mit mir noch mit anderen Menschen eine Einheit leben, wie sie in der Apostelgeschichte exemplarisch beschrieben wird. Da heißt es, dass sie „ein Herz und eine Seele“ waren (vgl. Apostelgeschichte 4:32). Es ist klar, dass man eine solche Qualität von Einheit nicht „machen“ und „veranstalten“ kann. Die Einheit dieser Leute drückte sich in einem umfassenden Zusammengehören in meinem Namen aus. Sie „teilten alles, was sie hatten“, steht dort geschrieben. Sie waren im wahren Sinne eine Familie. Familie aber kann nicht veranstaltet werden. Sie ist Beziehung, sie ist „einander kennen“ und „miteinander leben“, und das „jederzeit“.

 

Heute sprechen manche von ihrem „Gemeindeleben“ und weisen dann auf ihren Veranstaltungskalender hin.

Wie sehr sie sich irren!

Viele Mitglieder tun nichts anderes, als unter diesem Veranstaltungskalender zu stöhnen, weil das alles zu viel ist und ihnen für die wirklichen Beziehungen keine Zeit lässt. Nicht wenige Christen erleben die Gemeinde als Konkurrenz zu ihren Familien und Freunden und verlieren diese, wenn sie in der Gemeinde „verbindlich mitarbeiten“. Gemeinde zerstört Beziehungen – das erleben viele so und verstehen nicht, warum das so sein kann. Dann geben sie sich noch mehr Mühe, und es wird nur noch schlimmer.

 

 

Um wessen Reich geht es eigentlich?

 

ICH treibe die Menschen nicht in Stress, auch wenn die Pseudogemeinde mir immerzu den schwarzen Peter zuschiebt. ICH habe von keinem Menschen ver-langt, „das Reich Gottes zu bauen“, welches ja nur Gott bauen kann, wie das Wort „Reich Gottes“ doch schon anzeigt. Aber die Pseudogemeinde glaubt ja, das Reich Gottes zu bauen, bedeutet, ihre Gemeinde zu bauen. Welch folgenschwerer Irrtum! Als wären das Reich Gottes und die Gemeinde dasselbe und austausch-bare Begriffe! Da sieht man wieder, wie die Pseudokirche mich durch sich selbst ersetzt.

 

Kein Mensch kann und wird jemals meine Gemeinde bauen.

Wenn Menschen „Gemeinde bauen“, bauen sie niemals meine,

sondern selbstverständlich immer ihre eigene.

 

Einer meiner Jünger mit Namen Jakobus schrieb, der wahre Gottesdienst bestün-de darin, „die Witwen und Waisen in ihrer Drangsal zu besuchen“ (Jakobus 1:27). Sieh nur, wie komplett anders der heutige „Christ“ seinen „Gottesdienst“ versteht. Er meint, es handle sich um den Besuch einer Veranstaltung, deren Sinn darin besteht, eine Predigt zu hören und einem Programm beizuwohnen, welches den Sinn hat, ihn zu erbauen …«

 

Dies erinnert mich an einen krassen, aber ehrlichen Text aus einem kleinen Buch, in dem Gebete von jungen Menschen aus aller Welt gesammelt wurden:

 

Ich bete selbstsüchtige Gebete, Gelegenheitsgebete, Einweggebete, materialistische Gebete. Es sieht so aus, als fühlten sich immer weniger Menschen durch Gottes Liebe angesprochen. Heute sind wir Nike, Coca-Cola, Sony und ihren Produkten treu, die uns Reichtum, Status und Macht versprechen. Ich bete nicht für den Weltfrieden oder das Ende des Hungers auf der Welt oder danke für irgendetwas. Ich bete darum, das richtige Kleid in meiner Größe zu finden, im Lotto zu gewinnen oder nicht zu spät zu kommen ...

(Carol Blake, 24, England)

 

»Der heutige Pseudo-Gemeinde-Christ hat gar kein Verhältnis zu „Witwen und Waisen«, fährt Jesus in seiner erschütternden Rede fort. »Für die sind ja andere „Institutionen“ zuständig. In der „Kirche“ geht es um die Christen und ihre Gemeinschaft, Unterhaltung und Erbauung. Es ist ihr Club. Um MICH jedenfalls geht es nicht. ICH habe eine solche Veranstaltung weder verordnet noch verlangt …«

 

Auch hier muss ich an eine Geschichte denken: Der Club

 

»Das Zusammenkommen derer, die mir folgen, wird nicht von einer „oberen Stelle“ bestimmt oder geregelt, sondern von mir«, fährt Jesus fort. »Wenn die Jünger einer Gegend etwas gemeinsam tun sollen, drängt sie mein Geist in ihrem Inneren, etwas Entsprechendes zu veranstalten, da gibt es keine Routine, sondern nur Notwendigkeit.

 

Christen sind wegen der äußerlich vorgegebenen Strukturen dem Achten auf dieses innere Drängen entwöhnt; sie nehmen weder die Führung des Geistes noch die Intuition ihres Herzens wahr. Da sie dies zugunsten einer maschinenmäßig funktionierenden Kirche aufgegeben haben, können sie dem Geist unmöglich folgen. Er baut ein vollkommen andersartiges Beziehungs- und Dienst-Netzwerk, als es Menschen und ihre Gesellschaften tun. Da gibt es eine geistgewirkte Anziehung, die bestimmte Leute zu bestimmten Zeiten und für bestimmte Aufgaben zusammenführt. Keine Organisation kann so etwas steuern.

 

Die Zusammenführung gottgegebener Beziehungen ist Glückseligkeit,

das Versammeln einer halbwegs anonymen Zuhörerschaft ist es nicht.

Einander von Herzen erkennen, ist Glückseligkeit,

das gemeinsame Mitglied in einer Organisation sein, nicht.«

 

 

Das Ende des Horizonts

 

Ich gehe mit Jesus durch die Zäune, und er hebt den einen und anderen an, um Männer freizulassen. Die Zäune haben verschiedene Dimensionen und Macharten – je nachdem, welche Doktrin, Tradition, Routine oder welche Art von Begrenzung sie auch immer darstellen. Es gibt da allerlei unterschiedliche Formen, Höhen und Stabilitäten, die sie haben. Ich frage Jesus nach den Inhalten, die sie formen, und wie sie die Männer festhalten:

 

„Du sollst dem Pastor gehorchen!“, ist ein Zaun, andere Zäune sind: „Wenn du nur regelmäßig zur Gemeinde gehst, ist deine Christenpflicht erfüllt und Gott mit dir zufrieden.“ – „Mehr an Nähe, Liebe und Kraft, als du in der Gemeinde erlebst, gibt es nicht.“ – „Du kommst nur in den Himmel, wenn du dich benimmst!“ – „Halte die zehn Gebote!“ – „Lies nur die Bibel jeden Tag!“ – „Gott ist ein Polizist und sieht alles!“ – „Gott will dich nicht so haben wie du bist“ – „Gott wirklich begegnen, das kommt erst nach dem Tod.“ – „Gott hat andere mehr lieb als dich.“ – „Du bist unwichtig.“ – „Wenn du nicht ... dann.“

 

Ich frage mich, ob wohl irgendeine Kirche das so lehrt, aber ich kenne alle diese „Zäune“ aus eigenem Erleben. Viele dieser Sätze entsprechen diesem „Geist der Waisenschaft“, wie ich ihn nenne. Sie alle halten einen Mann auf, indem sie ihn einschüchtern und zurückhalten.

 

Manche Zäune symbolisieren keine Lehre, sondern Bilder: Bilder z. B. von einem harmlosen, nichtigen Gott, ebenso wie Bilder von harmloser, nichtiger Männ-lichkeit. Diese Imaginationen haben große Kraft und bilden geistlich gesehen so hohe Zäune, dass „Mann“ nicht drüberschauen kann. Sie sind „das Ende des Horizontes“.

 

Dann gibt es auch noch unglaublich lange Zäune, die das ganze Land durch-ziehen und religiöse Irrtümer betreffen, die von allen geglaubt und von niemandem hinterfragt werden und jede Gemeinde, Kirche und jeden Christen im ganzen Land binden und aufhalten. Einer dieser Zäune heißt erstaunlicherweise: „Gebet bringt nichts.“ Vielleicht erklärt das, warum zwar alle Gebet wichtig finden, es aber nie möglich ist, eine wirkliche, reife Gebetsbewegung zu lancieren. Viele haben es versucht, aber alle Initiativen stoßen schnell an Grenzen und gewinnen keine ausreichende Dynamik. Das geht mit einer ganzen Reihe fundamentaler Themen so. Es wird darum allerlei veranstaltet, aber das hat keine befreiende, verwan-delnde und vor allem nachhaltige Wirkung. Es bleibt irgendwie alles an der Oberfläche und dringt nicht in die Tiefe vor.

 

Manche dieser Zäune stehen sehr fest; ihre Pflöcke sind tief eingeschlagen und geradezu „verwurzelt“. Ich kann mir nicht vorstellen, wie solch ein Zaun je abge-rissen werden könnte.

 

Flügel

 

Um den Weg der Nachfolge Christi zu gehen, müssen Männer Hürde um Hürde und Zaun um Zaun überwinden. Es gibt immer neue, die im Wege stehen, ihre Menge ist verwirrend und grotesk. Der Anblick eines Landes voller Zäune ist sehr entmutigend und bedrückend. »Mein Gott, wie soll denn ein Mann da je durch-kommen!?«, rufe ich deprimiert aus.

 

»Fliegen«, meint Jesus lächelnd. »Ich gebe den Männern, die wirklich mir folgen wollen, die Flügel aus Jesaja 4:30-31:

 

Jünglinge ermüden und ermatten und junge Männer straucheln und fallen.

Aber die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft;

sie heben die Schwingen empor wie die Adler,

sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.

 

Ohne diese „neue Kraft“ und die Adlerflügel ist an ein „Durchkommen“ nicht zu denken. Männer können für Jahre an den Grenzen entlangziehen, ohne je einen Durchlass zu finden. Irgendwann bemerken sie, dass sie im Kreis gehen, was extrem entmutigend ist und Resignation schürt. Männer, die mir folgen, sollen mit dieser „neuen Kraft“ rechnen und diese Flügel im Gebet anfordern.

 

Aber nicht nur gibt es neue Kraft und Flügel: Sieh nur, wie die Engel auf mir auf- und niederstiegen (vgl. Johannes 1:51) und wie sie mir in der Wüste der Versuchung dienten (vgl. Matthäus 4:11) und wie ein Engel kam und mich in Gethsemane stärkte (vgl. Lukas 22:43) usw. Männer müssen mit dem Beistand der Engel rechnen. Niemand hat ihnen das beigebracht und ihnen diese Möglichkeit, ja Notwendigkeit, erklärt. Ihre Vorstellung über den Beistand der Engel ist trotz all der biblischen Belege sehr begrenzt. Sie wissen über die mächtigen Hilfen des Himmels zu wenig und sehen sich immer wieder alleingelassen und in die Enge gedrängt. Dort müssen sie mich erleben, damit sie die Furcht vor der Bedrängnis verlieren. Wie Lot einst aus der untergehenden Stadt Sodom gerissen wurde, so müssen Männer erleben, dass meine Engel sie aus der Ausweglosigkeit und Bedrängnis herausreißen und sie mit mächtigen Flügeln darüber hinwegtragen.«

 

 

Ich bin sehr erleichtert über diese Botschaft von den Flügeln und auch über die Güte, die von Jesus ausgeht. Er sieht die Probleme, und er benennt sie auch – und das in einer Art und Weise, die mich geradewegs von einer schockierenden Erkenntnis zur nächsten führt –, aber er hat immer verblüffende Lösungen und Antworten parat, die mich auffangen und mir wirkliche Hoffnung machen für die „wahre“ Kirche und die Männer.

 


Quelle:  Die Armee  von Frank Krause

Fotos: © Mikael Damkier - Fotolia.com|  PHOTOCASE © macnai - Fotolia.com



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