Ich las zufällig eine christliche Konferenz-Anzeige mit dem coolen Titel »Kingdom-Management«. Untertitel: »Leben und Dienst hinter dem Bühnenvorhang«Ohne die Veranstalter zu kennen und ihnen irgendetwas unterstellen zu wollen, schlug etwas in meinem Geist Alarm, eine gewisse Unruhe stieg auf, denn es sind dies keine »Reich-Gottes«-Begriffe, sondern Geschäfts-Metaphern, die zudem auch noch geradeheraus die zwei Seiten der Medaille präsentieren: Das Stück, welches vor dem Vorhang aufgeführt wird, und die Arbeiter hinter den Kulissen, die seine Inszenierung ermöglichen. Ist der Auftritt gelungen, haben sich die Eintrittskarten gut verkauft, und war der Applaus der »Besucher« lang, dann war es ein gutes Geschäft, das mit dem Reich Gottes gemacht werden konnte...

 

Sicherlich wird das so von den Veranstaltern des Management-Seminars weder gesehen noch behandelt, und natürlich gibt es im Neuen Testament Beschreibungen von unterstützenden Diensten und Mitarbeitern, darüber muss man sich Gedanken machen. Jedoch ist der Einfluss weltlicher Management-Methoden im »Kingdom« heute unübersehbar. Die Folge ist in der Regel eine Vergeschäftlichung der Gemeinde und der Mission mit einer Konzentration auf Performance, Effizienz und Optimierung aller Abläufe und Regelung der Zuständigkeiten. Das nennt sich Management. Auf einmal ist das »Kingdom« eine Firma und die Gemeinde eine Zweckgesellschaft. Wo früher Bibelstellen an den Wänden hingen, sind es jetzt Organigramme.

 

Wie der Untertitel allerdings schon sagt, spielt sich das wirkliche Leben hinter dem Vorhang ab. Das ist immer und überall so. Dorthin wählte Jesus stets den Weg. Als sie ihn seinerzeit zum »King« im »Kingdom-Ministry« machen wollten, lief Jesus einfach weg ... sehr schlecht für's Geschäft! Den Top-Auftritt im wichtigsten Theater des Landes überhaupt  im Tempel zu Jerusalem – vermasselte Jesus so total, dass es für's entsetzte Management nur ein Fazit gab: »Der Mann muss weg – sofort!« 

 

Warum tat Jesus das? Warum ging er jedes Mal, wenn sein »Event« so richtig an Fahrt aufnahm und Tausende zusammenliefen, einfach fort? War er so naiv? Hätte er seine »Message« nicht viel wirksamer und lukrativer ausbreiten können, wenn er das Theater mitgespielt und das Momentum der Massendynamik genutzt hätte? Eine »Crew« hatte er schon, auch einen ansehnlichen Club von »Followern« und Spendern. Ein Traum!

 

Ganz genau: Ein Traum ... aber Jesus war nicht am Geschäfts-Erfolgs-Ministry-Traum interessiert, sondern an der Wirklichkeit. Für ihn war hinter der Bühne vor der Bühne, die Letzten die Ersten und die Kleinsten die Größten. Sein Dienst lief irgendwie ganz ohne PR ab und setzte ganz auf Menschen, die sich auf ihn, den MENSCHEN-Sohn einließen, bis sie selbst zu MENSCHEN wurden – wie er. Er gründete keinen Verein und keine Schule, schrieb kein Buch und verkaufte keine T-Shirts ... er vermarktete sich ausgesprochen schlecht.

 

Sobald wir die Jesusnachfolge und die Gemeinde vergeschäftlichen, sobald wir Menschen als Arbeitskräfte sehen, sie mit ihren Anliegen an »zuständige Büros« der Verwaltung delegieren, den Finger auf Überweisungsvordrucke legen, um Gelder für »mildtätige Zwecke« zu »fundraisen«, um erfolgsgetriebene Gemeinde-Theater-Veranstaltungen zu inszenieren zum Zwecke der Kunden-Akquise, die wir »Mission« nennen, fürchte ich, dass ein alle und alles instrumentalisierender Geist mit Namen »Mammon« kräftig seine Finger im Spiel hat.

 

Wikipedia verrät uns folgende aufschlussreiche Erklärungen zur Bedeutung von Mammon: »Das Wort Mammon leitet sich ursprünglich vom aramäischen Wort mamona (Vermögen, Besitz) ab. Einer anderen Quelle zufolge stammt es von dem aramäischen Wort aman ab und bedeutet: das, worauf man vertraut.« 

 

Was seine Finanzierung betraf – und er hatte eine Menge zu finanzieren! –, ging Jesus nicht den Weg aller Welt, der mit Mammon ist, sondern vertraute gänzlich dem Vater im Himmel, der ja immerhin der Schöpfer der ganzen Welt ist. Nach drei Jahren »Kingdom-Management«, in denen Jesus ja ein mindestens 12-köpfiges Team »fully supportete«, fragte er seine Jünger: »Als ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch da wohl etwas? Sie aber sagten: Nichts.« (Lukas 22:35)

 

 

Solche Sätze lesen sich für die vom Mammon gehirngewaschene Welt wie naive Romantik, zu der man bei der Predigt gefällig nickt – um dann mit der »harten Realität« des Geschäfts weiterzumachen. Was Jesus da fragt und seine Jünger auch noch bestätigen, ist so undenkbar für die vom Geschäft bestimmte Welt, dass sie keine Idee hat, worüber er da redet. Er betont auch noch den unverständlichen Fakt, die Jünger zum »Einsatz« geschickt zu haben ohne Visacard, versicherte Reisetasche und angemessene Konferenz-Klamotten zum täglichen Wechseln! Wir würden uns schämen ... Wie können die Jünger unter diesen Umständen antworten: »Wir haben keinen Mangel gehabt – niemals!«?

 

Wie gesagt, es gibt mehrere Realitäten: eine vor und eine hinter dem Vorhang, eine veranstaltete und eine nicht-veranstaltete, eine unheilige Mammon- und eine heilige »Ich-habe-euch-gesandt«-Wirklichkeit. Je nachdem, in welcher dieser Wirklichkeiten man sich befindet, kommen einem die anderen völlig unwirklich vor.

 

Was hatten Jesus und seine Jünger, die zu unserem Erstaunen ohne Mittel und Organisation so überaus erfolgreich waren, eigentlich zu bieten? Die Antwort: SICH. Sie gaben nicht den Zehnten, sondern SICH. Sie luden nicht zu einer Veranstaltung ein, sondern zu SICH. Wer das Reich Gottes erfahren wollte, der konnte zu ihnen kommen, denn sie waren das Reich Gottes geworden. Sie verkörperten es, denn sie waren damit eins geworden. Der Preis für diese Einheit und die daraus resultierende Verkörperung der Wirklichkeit des Himmels, die ganz anders ist als die Wirklichkeit der vergeschäftlichten Welt, ist ALLES. Der Preis für die »besonders wertvolle Perle« ist das eigene Leben – all inclusive.

 

»Gott fordert nichts weniger als die vollständige Selbsthingabe

als Preis für die einzige Freiheit,

die zu besitzen sich lohnt.« 

(Mahatma Gandhi)

 

In einer vergeschäftlichten Welt, wo die Verpackung wichtiger als der Inhalt geworden ist, muss natürlich sehr professionell gearbeitet werden, um überhaupt die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. Schauen wir in der Bibel nach, hatte Gott allerdings nie Probleme damit. Was war es denn, was die Leute dazu brachte, Jesus hinterherzulaufen, anstatt umgekehrt, dass er den Leuten mit seiner Botschaft hinterherlaufen musste? Was ließ Tausende von Menschen gleich zu Beginn der Gemeindezeit an Pfingsten zusammenlaufen? Und wie wurde das alles gemanagt? Die Texte lassen viele Fragen dazu offen.

 

Sicher, wir leben in einer anderen Zeit und Kultur, dennoch sind wir grundlegend genauso MENSCHEN wie die Menschen es damals waren, die sich schier überschlugen, in Jesus Nähe zu gelangen. Das Reich Gottes geschah einfach in seiner Gegenwart, und das machte einen dermaßenen Unterschied zur gewohnten Konstruktion der Wirklichkeit, dass die Leute »außer sich« gerieten. Nicht er, sondern sie selbst organisierten sich, stellten Häuser, Essen und Schlafplätze zur Verfügung, schafften ihre Kranken auf die Marktplätze, wo Jesus durchkommen würde, usw. Nicht er regelte das ganze Drum-Herum, sondern sie selbst, schließlich wollten sie etwas von ihm...

 

Es macht in den Evangelien den Eindruck, als ob der »Ministry« auf eine geheimnisvolle Art und Weise »wie von selbst« lief, Jesus musste weder schieben noch ziehen noch motivieren noch großartig organisieren, er stand in einer Art »Eigendynamik« des Reiches Gottes, die wie ein Wirbel um ihn her alles in Bewegung brachte. Aus Berichten über Erweckungen lesen wir Ähnliches.

 

Um nun management-technisch mit dieser Dynamik, die regelmäßig alle Grenzen sprengt, zu gehen, braucht es hohe Präsenz, Verfügbarkeit und Beweglichkeit. Hier stoßen alle Manager schnell an Grenzen, denn das LEBEN lässt sich schlecht »regeln«, es ist unberechenbar und überraschend – Jesus jedenfalls war das!

 

Gut managen kann man aber nur das,

was vorhersehbar und berechenbar ist.

Darum wird die Eigendynamik des Lebens regelmäßig ausgebremst

und der volle Ausdruck des Lebens – Gott ist Leben – 

regelmäßig beschnitten,

um von uns »gemanagt« werden zu können.

 

Die Identifikation der Jünger ist nicht mit dem Dienst, worin auch immer der bestehen mag, oder einer Organisation, wie immer sie heißen mag, sondern mit dem Herrn. Das ist ein großer Unterschied zu weltlichen Unternehmen. Es kann durchaus immer noch sein, dass der Herr auf dem Höhepunkt der Veranstaltung beschließt, zu gehen. Was machen wir dann? Besonders in dem Moment, wo Geld im Spiel ist, also kostenpflichtige Veranstaltungen ausgeschrieben wurden, Sprecher engagiert und Locations gemietet wurden und die Besucher Gebühren bezahlt haben, befinden wir uns sehr schnell auf dem Terrain vom Mammon. Geld schafft Erwartungen und Ansprüche: Vor einem Konferenzzentrum beschwerte sich eine Frau: »Ich habe hundert Dollar dafür bezahlt, dass ich himmlische Visionen kriege! Ich will mein Geld zurück haben.« 

 

Man kann den Himmel zwar nicht mit Geld kaufen, aber wenn wir ihn dennoch in unseren Veranstaltungen kostenpflichtig anbieten, dann sind wir ganz schnell auf dem Boden der Vermarktung und des Geschäfts angekommen. Geld produziert neben Erwartungen und Ansprüchen auch Abhängigkeiten und Druck, die der Herr nicht schafft. Jeder Dienst, der auf Spenden angewiesen ist, weiß um diese Diskrepanz. Die Versuchung, diesen Druck in Form manipulativer Geldpredigten und unrealistischer Segens-Versprechungen bei Zahlung an die »Kunden« weiterzugeben, ist groß und verständlich.

 

Wie gesagt, ich will denjenigen, die sich mit dem »Leben und Dienst hinter der Bühne« beschäftigen, nichts unterstellen, absolut nichts. Es ist klar, dass alles eine Ordnung hat und ein gewisses Maß an Organisation benötigt. Dass ich mir die obigen Gedanken um die Sache gemacht habe, das haben sie jedenfalls schon mal erreicht. Danke.

 


Quelle: Hisman Blog | Foto: leni13 | PHOTOCASE


 


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