Erdbeben treffen die USA 

 

 

In Nordamerika, vermutlich an der Westküste, kommt es im  Mai oder Juni,  auf jeden Fall Ende des Frühjahrs oder zu Beginn des Sommers, zu einer gewaltigen Naturkatastrophe, dem lange erwarteten großen Erdbeben, begleitet von erheblicher vulkanischer Aktivität. Die dabei ausbrechenden Vulkane schleudern riesige Mengen Asche in die Luft, welche die Atmosphäre eine Zeit lang verdunkeln. Die Auswirkungen auf die militärische Verteidigungsfähigkeit sind verheerend, die in Übersee eingesetzten Truppen werden jetzt dringend zu Hause benötigt, um die Folgen der Katastrophe einzudämmen.

(Leo H. DeGard in Armageddon)

 

»Ich schien mich in Los Angeles zu befinden, aber es war nicht zur jetzigen Zeit (1937), denn es war größer, viel größer. Die Busse und merkwürdig geformte Autos füllten die Straßen der Stadt. Ich dachte an den Hollywood-Boulevard, und dann befand ich mich dort auf dem Hollywood-Boulevard, ob dies wahr ist oder nicht, ich weiß es nicht. Da waren viele Männer in meinem Alter, aber sie hatten Bärte, und manche von ihnen trugen Ohrringe. Alle Mädchen trugen kurze Röcke, und sie schlenderten dahin in einer tanzähnlichen Bewegung. Ich fragte mich, ob ich mit ihnen reden könnte. Ich sagte: „Guten Tag“, aber sie hörten mich nicht, noch sahen sie mich [...]

 

Ich bemerkte, da war eine Ruhe, eine Art von Stille, als ob man Stille hören könnte. Etwas fehlte, das da sein sollte. Zuerst begriff ich es nicht, und dann erkannte ich, dass es keine Vögel gab. Ich horchte, ich ging auf dem Boulevard zwei Blocks weit nach Norden, vorbei an all den Häusern, aber es gab keine Vögel. Ich fragte mich, was mit ihnen passiert war, waren sie fortgegangen? Wohin? Es war so still, ich konnte die Stille hören. So etwas hatte ich noch nie erlebt, aber ich horchte, nur Stille – und dann wusste ich, dass etwas geschehen würde.

 

Ich fragte mich, welches Jahr es war, es war zweifellos nicht 1937. Ich sah eine Zeitung an der Ecke mit einem Bild des Präsidenten. Es war nicht Roosevelt, er war größer, gewichtiger, hatte große Ohren [...] Ich sah jene Menschen und wunderte mich, warum sie sich so kleideten. Ich war wieder auf dem Boulevard, und diesmal wartete ich darauf, dass etwas passiert. Etwas Großes würde passieren, und ich würde dabei sein. Ich schaute auf zu der Uhr unten an dem großen Theater, und es war zehn vor vier am Nachmittag. An der Stelle, wo alle die Filmstars ihre Handabdrücke und Namen hinterlassen, sah ich Namen, manche, die ich erkannte, aber manche, die ich überhaupt nicht kannte, nie gehört hatte [...]

 

Es war eher am Anfang des Frühlings. Da war wieder dieses Geräusch bzw. das Fehlen des Geräusches, Stille, Stille, Stille [...] Da war ein komischer Geruch. Ich wusste nicht, woher er kam. Ich mochte ihn nicht, ein Geruch wie Schwefel oder Schwefelsäure, ein Geruch wie der Tod. Einen Moment lang dachte ich, ich wäre im Chemie-Unterricht.

 

Meine Augen schienen an der Uhr zu kleben. Es war fünf vor vier Uhr an einem sonnigen Nachmittag. Ich dachte, ich würde ewig dort stehen und auf die Uhr schauen, darauf wartend, dass etwas passiert [...] Ich fing an zu laufen, und der Boden fing an zu zittern. Ich konnte es nicht fühlen, aber ich wusste, dass er zitterte. Alle sahen erschrocken aus, sie sahen schrecklich aus. Eine junge Dame setzte sich einfach auf den Bürgersteig, krümmte sich in einem Lachkrampf und sagte einfach: „Es ist das Erdbeben, es ist das Erdbeben“, immer und immer wieder, aber ich konnte nicht erkennen, dass sich etwas geändert hatte.

 

Dann kam es, und wie es kam, wie nichts in Gottes Welt, wie nichts [...] Es war schrecklich, es war, als ob ein Monster die Bürgersteige nach oben schob. Man fühlte es lange bevor man es sah. Die Bürgersteige hielten nicht mehr. Ich schaute auf die Autos, sie hupten, sie bewegten sich einfach weiter, sie schienen noch nicht zu wissen, dass etwas geschah [...]

 

Das Schütteln hatte wieder begonnen, aber diesmal anders. Ein nettes Schütteln, wie das Wiegen einer Wiege, und dann sah ich – es schien, dass die Mitte des Boulevards in zwei Stücke brach. Der Beton sah aus, als ob er von einer großen Schaufel geradewegs nach oben gedrückt worden war [...] Dann ein lautes Geräusch, wie ich es nie zuvor gehört hatte, dann Hunderte von Geräuschen, die alle auf einmal kamen. 

 

Kinder und Frauen und diese verrückten Männer mit Ohrringen, sie schienen sich alle über dem Bürgersteig zu bewegen. Sie wurden hochgehoben, und das Wasser sickerte hervor, die Schreie, es war schrecklich [...] Meine Trommelfelle fühlten sich an, als ob sie platzen würden. Leute fielen hin, einige von ihnen schwer verletzt. Stücke von Gebäuden splitterten ab und flogen in der Luft, eines traf mich hart an der Seite meines Gesichts, aber ich schien es nicht zu fühlen [...]

 

Dann war es, dass ich mich hochgehoben fühlte. Ich war über der Stadt. Sie neigte in Richtung Ozean wie das Hochklappen eines Picknicktisches. Die Gebäude hielten besser, als man es glauben würde, sie blieben stehen. Die Menschen, die die Gebäude sahen, versuchten, sich an ihnen festzuhalten oder in sie hineinzukommen [...] Alles andere um sie herum brach, aber sie hielten, hielten [...] So sah es eine lange Zeit aus, drei Minuten, drei Minuten waren wie ewig. Alle versuchten, ins Innere zu gelangen. Sie würden halten, du wusstest, sie würden halten, selbst wenn die Wasser weiterhin steigen würden – nur sie taten es nicht [...] Sie zerfielen zu Nichts [...]

 

Ich schien mich auf dem Big Bear Berge zu befinden, in der Nähe von San Bernadino, aber das Komische war, dass ich überall hinsehen konnte. Ich wusste, was geschah. Die Erde schien wieder zu zittern. Ich konnte es fühlen, obwohl ich hoch oben war. Diesmal dauerte es vielleicht zwölf Sekunden, und es war sanft. Man kann nicht glauben, dass etwas so Sanftes so viel Schaden anrichten könnte, aber da sah ich die Straßen von Los Angeles, und alles zwischen Los Angeles und den San Bernadino Bergen kippte zum Ozean hin, Häuser und alles, was übrig war. Ich konnte die großen Straßen sehen, Dutzende großer Fahrbahnen, die immer noch mit Autos überhäuft waren, an einigen Stellen gab es fünf Spuren, und alle Autos glitten in die gleiche Richtung.

 

Jetzt kam der Ozean herein und bewegte sich wie eine riesige Schlange das Land hinauf. Ich fragte mich, wie spät es war, und ich konnte die Uhr sehen, es war 16.29, obwohl ich nicht auf dem Boulevard war, es war eine halbe Stunde vergangen [...]

 

Dann, wie auf eine riesige Landkarte der Welt schauend, konnte ich sehen, was auf dem Land und mit den Leuten geschah. San Francisco fühlte es, aber es war in keiner Weise wie in Hollywood und Los Angeles. Ich schien zu sehen, dass der Garlet-Graben und nicht nur der San-Andreas-Graben San Francisco erschütterten. Ich konnte sehen, wie alle diese Berge zusammenkamen, die Sierra Nevada, San-Andreas und Garlet. Ich wusste, was mit San Francisco passieren würde. Es würde wegen des Garlet-Grabens umkippen. Es würde sich auf den Kopf stellen [...]

 

Ich schloss meine Augen für eine lange Zeit. Ich schätze, es waren etwa zehn Minuten, und als ich sie wieder öffnete, sah ich den Grand Canyon, und als ich in den Grand Canyon schaute, schloss sich die riesengroße Lücke. Der Boulder-Damm wurde von unten hochgedrückt, und dann von Nevada bis nach Reno und nach Süden hinunter bis zu Baha California und auch bis Mexiko schien es, als ob ein Vulkan ausbricht mit allem, was dazugehört [...]

 

Die Stadt New York kam in das Blickfeld. Sie war noch da, nichts war passiert [...]

 

Der Boulder-Damm fiel auseinander, es war immer noch Tageslicht, und alle diese Radiosender brachten es zu der gleichen Zeit: Der Boulder-Damm ist gebrochen. Ich fragte mich, wie die Menschen im Osten es erfahren würden, dann sah ich Hand-Radio-Betreiber (Handys). Ich sah sie an den merkwürdigsten Stellen, so als ob ich direkt bei ihnen war. Ein kleiner Mann mit einer Brille sagte: „Hier ist Kalifornien, wir versinken im Meer, hier ist Kalifornien, wir versinken im Meer. Eilt zu den Höhen, flieht in die Berge. Alle Staaten westlich, hier ist Kalifornien, wir gehen ins Meer.“ [...] Ich nehme an, ich werde dies mein ganzes Leben lang hören.«

(Joe Brandt – 1937) 

 

 


Quelle: Joe Brandt | Foto: © Frederic Bos - Fotolia.com


 


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